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Mit Audi A3 und Golf starten 2012 die ersten Fahrzeuge auf Basis des MQB
Flexibler, besser, günstiger: Der Modulare Querbaukasten (MQB) wird in diesem Jahr im Volkswagen Konzern eingeführt. Volkswagen Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg verdeutlicht die große Bedeutung des MQB für die Zukunft des Unternehmens: „Mit dem MQB beginnt für Volkswagen eine neue Ära.” Was verbirgt sich hinter dem MQB und welche Marken und Modelle profitieren davon?


Der Weg zum modularen Baukasten: Um Synergien zu nutzen, entwickelte Volkswagen aus einer Plattformstrategie eine modulare Baukastenstrategie.

Der Modulare Querbaukasten ist ein Konstruktionsprinzip in der Fahrzeugentwicklung. Bisher wurden die Modellreihen auf der Basis von Plattform- und Modultechnologien gebaut. Dazu gehört die Bodengruppe der Karosserie, ergänzt um den Antriebsstrang, das Fahrwerk und weitere Komponenten wie zum Beispiel die Sitze und die Klimaanlage. Diese Bodengruppe wird dann um die Karosserie zum Gesamtfahrzeug erweitert. Da sich die Plattform-Technologie nur bedingt auf unterschiedliche Fahrzeugsegmente anwenden lässt, wurde sie zur Modul- und schließlich zur Baukastenstrategie weiterentwickelt (Grafik: links).

„Mit dem MQB beginnt für Volkswagen eine neue Ära.”

Im Volkswagen Konzern gibt es verschiedene modulare Baukästen. Der MQB ist der jüngste von ihnen. Er ergänzt den von Audi verantworteten Modularen Längsbaukasten (MLB), den Modularen Standardantriebsbaukasten (MSB) mit Porsche als Kompetenzcenter und die „New Small Family” (NSF) mit dem Volkswagen up!, Seat Mii und Skoda Citigo (Grafik: rechts).

Alle Baukästen basieren auf einer flexiblen Architektur, die es erlaubt, Fahrzeuge unterschiedlicher Segmente abzuleiten. Komplexe Baugruppen wie Motor, Getriebe, Antriebs- und Fahrwerkkomponenten können so übernommen werden, woraus sich eine einheitliche Systematik für den Vorderwagen ergibt. Abmessungen wie Länge, Breite und Höhe, aber auch der Radstand, die Spur und die Rädergröße sind hingegen variabel.


Baukästen im Volkswagen Konzern: Zukünftig decken die modularen Baukästen alle Fahrzeugklassen ab.


Markenübergreifende Standardisierung: Im MQB werden zahlreiche Bauteile verschiedener Marken und Modelle vereinheitlicht.

Der MQB erstreckt sich über die Segmente A0 bis B. Bei Volkswagen sind das zum Beispiel Polo, Beetle, Golf, Scirocco, Jetta, Tiguan, Touran, Sharan, Passat und Volkswagen CC. „All diese Modelle können künftig – trotz unterschiedlicher Radstände und Spurbreiten – theoretisch auf der gleichen Fertigungslinie gebaut werden”, betont Hackenberg. Ebenso wird es möglich sein, Modelle verschiedener Marken, die auf der MQB-Architektur basieren, gemeinsam zu produzieren. Die ersten neuen Fahrzeuge, die auf der Basis des MQB entstehen, werden der Nachfolger des Audi A3 und der nächste Golf sein.
Die modularen Baukästen unterscheiden sich in der Lage des Motors. So bedeutet „Quer” beim MQB, dass der Motor zum Beispiel bei Polo, Golf und Passat quer zur Fahrtrichtung liegt. Bei den Fahrzeugen von Audi wie dem A4, A6 und A8, die auf dem MLB basieren, ist der Motor längs zur Fahrtrichtung eingebaut. Und beim MSB ist der Motor direkt über der Vorderachse positioniert, um schmalere Vorbauten und eine bessere Verteilung des Gewichts zu ermöglichen.

Die modularen Baureihen bilden die Basis für eine Vielzahl von Fahrzeugen im Volkswagen Konzern und ermöglichen Synergien innerhalb und zwischen den verschiedenen Segmenten und den nutzenden Marken.
Bei der Konzeption der modularen Fahrzeugarchitektur mussten die Entwickler zunächst wissen, welche fahrzeugtechnischen Zusammenhänge segmentübergreifend vereinheitlicht werden können. Außerdem sollten die für den Charakter des Fahrzeugs wesentlichen Eigenschaften verankert werden. Ziel war es, im Motorraum ausreichend Platz für die wachsende Vielfalt der Antriebsversionen zu schaffen.


Ulrich Hackenberg, Volkswagen Entwicklungsvorstand

Auch den sich ständig verschärfenden Emissionsregeln mussten die Entwickler bei der Umsetzung des MQB gerecht werden. So können in die künftigen Fahrzeuge Gas-, Hybrid- oder Antriebskomponenten für Elektrofahrzeuge in identischer Einbaulage integriert werden. Während diese Anpassungen bisher für jedes Fahrzeug einzeln erbracht werden mussten, können künftige Modelle, die auf Basis des MQB entstehen, neuen Komponenten mit geringem Aufwand angepasst werden.


Der Modulare Querbaukasten im Profil: Das Chassis des Fahrzeugs ist im MQB durch variable und feste Elemente gekennzeichnet.

Umfassend standardisierte Komponenten und Fertigungsprozesse, weniger Komplexität und größere Flexibilität – die modularen Baukastensysteme sind für den Volkswagen Konzern, seine Mitarbeiter und die Kunden von entscheidender Bedeutung. Mit dem MQB wird es möglich, langfristig und weltweit mehr denn je Volumen- und Nischenmodelle von höchster Qualität zu extrem wettbewerbsfähigen Kosten herstellen zu können – individuell zugeschnitten auf die Erfordernisse unterschiedlichster Märkte. Parallel sinkt das Fahrzeuggewicht um durchschnittlich 50 Kilogramm und damit auch der Verbrauch. Außerdem werden insgesamt 20 Innovationen auf den Gebieten Sicherheit und Infotainment eingeführt, die bisher höheren Fahrzeugsegmenten vorbehalten waren. „Mit dem MQB werden Technologien der Oberklasse für Volumenmodelle greifbar. Damit demokratisieren wir Hightech”, sagt Hackenberg. nr

Lesen Sie mehr zum Thema in den nächsten „autogramm”-Ausgaben!


KURZINTERVIEW

Hubert Waltl, Markenvorstand für Produktion und Logistik, über den Modularen Produktions-Baukasten (MPB).

Herr Waltl, worin unterscheiden sich MPB und MQB?

Was der MQB für das Produkt ist, ist der MPB für die Produktion. Der MPB umfasst damit den kompletten Produktionsprozess, vom Presswerk bis zur Montage. Mit ihm wird die Art und Weise der Standardisierung der Fertigungsanlagen festgelegt. Durch den Einsatz von weltweit gleichen Anlagenkomponenten ist es möglich, die Produktion so zu gestalten, dass eine maximale Flexibilität in Stückzahl und Fahrzeugtypen sichergestellt ist. Der MQB dagegen bezieht sich direkt auf das Produkt und findet damit Lösungen, wie das Fahrzeug modular aufgebaut werden kann.


Hubert Waltl

Auf welche Bereiche wirkt sich der MPB aus?

In der Planung haben wir die erste Veränderung bereits gemerkt, denn wir konnten mit deutlich weniger Planungsleistung schneller den neuen Golf umsetzen und haben damit letztendlich auch Geld gespart. Das Ganze überträgt sich jetzt auch in die Fertigung, wo wir unsere Anlagen, die standardisiert sind, noch schneller als bisher in Betrieb nehmen können.

Wann und wo wird der MPB eingeführt?

Wir führen den MPB erstmalig mit dem nächsten Golf ein, in Wolfsburg und in Zwickau. Schrittweise wird er bis 2018 weltweit an allen Standorten – gemeinsam mit dem MQB – ausgerollt.

Welche Vorteile bringt der MPB?

Er ermöglicht es, dass alle Fertigungs­standorte nach den gleichen Prinzipien fertigen. Das bedeutet neben einem Höchstmaß an Flexibilität, dass wir an jedem Standort auf der Welt auch die gleiche Qualität unserer Produkte sicher­stellen.

Dies hört sich nach einer großen Herausforderung für Sie und Ihr Team an.

Wir haben das Ganze natürlich mit Respekt betrachtet und uns intensiv darauf vorbereitet. Vor Jahren haben wir mit der Umsetzung des MPB begonnen. Es wurde dabei auch viel in neue Technologien investiert. Mit unseren hoch motivierten Mitarbeitern bin ich zuversichtlich, dass wir den MPB erfolgreich einführen.

Was verändert sich mit dem MPB für die Mitarbeiter?

Es werden sich verschiedene Arbeitsinhalte ändern. Die Mitarbeiter wurden dazu im Vorfeld intensiv geschult, sodass wir zukünftig eine deutlich steilere Anlaufkurve fahren können als bisher. Die meisten Veränderungen in der Produktion sind für die Mitarbeiter positive Veränderungen, weil wir auch sehr viel Wert darauf gelegt haben, dass ihre Arbeitsplätze noch ergonomischer werden. Vorher wurden die Arbeitsplätze analysiert, um körperliche Belastungen zu reduzieren. So können die Mitarbeiter ihre Arbeit zukünftig leichter ausführen und dadurch ihre Gesundheit schonen.



 

Neue effiziente Otto- und Dieselmotoren

Eines der wichtigsten Merkmale des Modularen Querbaukastens ist die einheitliche Einbaulage aller Motoren. Eine zentrale Rolle übernehmen dabei der in die MQB-Strategie integrierte Modulare Ottomotorbaukasten (MOB) und der Modulare Dieselmotorbaukasten (MDB).

Der MOB umfasst die komplett neu entwickelte Motorenreihe EA211 (40 kW/60 PS bis 110 kW/150 PS). Dazu gehören sowohl Drei- als auch Vierzylinder-Aggregate, die in puncto Energieeffizienz, Leichtbau und Durchzugskraft neue Standards setzen. Durchschnittlich sinkt der Verbrauch um acht bis zehn Prozent. In Verbindung mit der weltweit erstmals in einem Vierzylinder eingesetzten Zylinderabschaltung (ACT) liegt das Einsparpotenzial sogar bei bis zu 20 Prozent. Auch die CO2-Emissionen vermindern sich deutlich.

Für den MDB wurden die Motoren der Reihe EA288 (66 kW/90 PS bis 140 kW/190 PS) ebenfalls neu entwickelt. Mit ihrer Einführung wird die TDI-Technologie noch nachhaltiger, denn die Gesamtemissionen reduzieren sich um bis zu 45 Prozent. Des Weiteren kommen die Motoren noch schneller als bisher auf Temperatur, so heizt sich auch der Innenraum schneller auf – ein angenehmer Nebeneffekt gerade im Winter. Unter dem Strich wird der Konzern die Motor- und Getriebe-Varianten im MQB-System durch die neuen Aggregate-Familien um rund 90 Prozent reduzieren.