Hier wird es gebaut: Wolfgang Hellmuth und Volker Wicke an der Montagelinie des Direktschaltgetriebes. In diesem Jahr sollen pro Tag 330 Getriebe dieses Typs produziert werden. Hier kommt es rein: Hans-Josef Watermeier, Projektleiter Direktschaltgetriebe, deutet auf die Buchstaben DSG am Heck des Golf R 32. Auch in anderen Modellen wird das Getriebe verbaut.


Staffellauf durchs Getriebe


Das im Werk Kassel produzierte neuartige Direktschaltgetriebe findet breite Anerkennung

Schon das Anlassen nötigt dem Fahrer gehörigen Respekt ab. Der satte Sound des Golf R 32 lässt das Herz eines jeden Automobilfans höher schlagen. Fast schüchtern wird das Gaspedal betätigt, weil man nicht so ganz weiß, was einen denn erwartet –schließlich lauern 250 Pferdestärken unter der Haube. „Golf im Schafspelz” lautete die Werbung für den R 32, denn: So sportlich, so stark, so schnell ging es unter dem Golf-Gewand selten zu.
Doch was nutzt es, wenn man all die „verdeckte Kraft” nicht auf die Straße bekommt? Eines wird während der Probefahrt schnell klar: Per Handschaltung wäre der R 32 kaum zu bändigen. Gut, dass deshalb ein Getriebe der Spitzenklasse den Job übernimmt: Das DQ 250, auch Direktschaltgetriebe (DSG) genannt, ist das modernste seiner Art auf der Welt. Schon nach wenigen Metern im R 32 wird klar, was das bedeutet. Butterweich schaltet das DQ 250 hoch. Keine Spur von Rucken und Zucken, dem obligatorischen „Nicken” beim Einlegen des nächsthöheren Ganges. Gleiches beim Runterschalten an der Ampel: Fast unmerklich ist wieder der erste Gang drin. Nur das Motorengeräusch lässt erahnen, wann geschaltet wird.
Kein Wunder also, dass sich die Autopresse in Deutschland mit Superlativen geradezu überschlug: „sensationell” und „revolutionär” waren nur zwei der häufig gebrauchten Vokabeln. Die „Auto Bild” zeichnete das DSG kürzlich sogar mit einem Innovationspreis aus. Viel Lob, was den Getriebebauern in Baunatal gut tut und sie zu weiteren Leistungen anspornt. 2004 soll die Produktion auf 330 DQ 250-Getriebe pro Tag mehr als verdoppelt werden. Danach wird die 1000er Stückzahl angepeilt.


Die Welle in der Welle: Das Doppelkupplungsgetriebe
ist so konstruiert, dass es dank modernster Elektronik
mit zwei Teilgetrieben funktioniert.


„Der Clou am Direktschaltgetriebe ist, dass es zwei Teilgetriebe mit jeweils einer Kupplung hat. Mit der ersten Kupplung werden die ungeraden Gänge geschaltet, mit der zweiten die geraden“, erläutert Hans-Josef Watermeier, Projektleiter für das DQ 250. Für das ungeschulte Auge unterscheidet sich äußerlich nahezu nichts von einem herkömmlichen Automatikgetriebe. Doch was normal aussieht, ist in der Praxis alles andere als normal: Damit alles ruckfrei abläuft, werden jeweils die nächsthöheren oder -niedrigeren Gänge vom Getriebe auf „Vorlage” geschaltet. Das heißt: Ist der erste Gang eingelegt und die erste Kupplung zu, stellt die offene zweite Kupplung den zweiten Gang schon mal bereit und legt ihn ein, wenn er gebraucht wird. Und im Wechsel geht es so weiter bis hoch zum sechsten Gang und wieder zurück – ohne Zugkraftunterbrechung. „Das Ganze kann man sich wie einen Staffellauf vorstellen. Das Umschalten erfolgt in nur wenigen hunderstel Sekunden”, erklärt Watermeier.
Doch das DSG hat noch weitaus mehr zu bieten als die Verbesserung des Fahrkomforts: So spart das Getriebe zum Beispiel auch Sprit ein, indem charakteristisch schnell in den sechsten Gang geschaltet wird – selbst bei so niedrigen Geschwindigkeiten, bei denen man als Fahrer niemals den Schaltknüppel in die Hand nehmen würde. Wer trotzdem nicht auf Kontrolle verzichten will, kann bequem am Lenkrad per Tiptronic selber bestimmen, wann geschaltet wird. Wer es besonders schnittig mag, stellt die Schaltung auf den sportlichen S-Gang und lässt beim „Golf im Schafspelz” die Pferde von der Koppel. Und mit das Wichtigste: Das DQ 250 ist nur geringfügig teurer als herkömmliche Automatikgetriebe.
Möglich macht den Erfolg des DSG eine in den vergangenen Jahren stark verbesserte Elektronik. Denn das Prinzip der Doppelkupplung ist nicht neu: Schon in den 80er-Jahren machten sich einige Teams diese Technik für den Autorennsport zunutze. Volkswagen reifte die DSG-Technik jetzt erstmalig zum einzigen Serienprodukt seiner Art weltweit aus. Seit Oktober 2000 wurde das Projekt DQ 250 vor Ort im Werk Kassel in die Tat umgesetzt und ständig optimiert. Watermeier: „Das Projekt ist eine große Herausforderung für unseren Standort und sichert uns auf Jahre unsere Arbeitsplätze.“ Kein Wunder, denn für einen einwandfreien Ablauf müssen Motor und Getriebe genau aufeinander abgestimmt sein, muss die Elektronik das harmonische Zusammenspiel fehlerfrei regeln und kontrollieren. Klar, dass dabei der Teufel manchmal im Detail steckt, wie Watermeier und sein Team festgestellt haben: „Wir alle lernen täglich neu dazu.” 200 Mitarbeiter sind derzeit mit dem Direktschaltgetriebe beschäftigt. Bei Ausschöpfung der Kapazitäten könnte sich diese Zahl sogar einmal verdreifachen.
Nicht nur Fahrer des R 32 kommen in den Genuss des DSG. So werden mit dem Getriebe auch der Audi-Roadster TT, der Audi A3, der Touran, der New Beetle und der neue Golf ausgestattet.
Die Probefahrt im R 32 neigt sich leider schon dem Ende zu. Auf der Autobahn fühlt man sich als „Wolf im Golfspelz” Porsche und Co. nicht unterlegen, und auf der Landstraße sowie innerorts gleitet man sanft und sicher wie ein Lämmchen dahin. Noch ein letztes Mal das ruckfreie automatische Runterschalten genießen, den satten Sound des Motors hören. Eine Drehung des Schlüssels. Aus. Schade, schon vorbei. -lmv-

 

Pressestimmen
auto, motor und sport: Das Direktschaltgetriebe (DSG) von VW verknüpft den Komfort einer Automatik mit der Sportlichkeit einer handgeschalteten Sechsgang-Box.
Autobild: Den technischen Leckerbissen DSG sollte man sich gönnen. Nicht nur fällt der Durchschnittsverbrauch im Vergleich zum Schalter 0,7 Liter niedriger aus und sind die Fahrleistungen etwas besser, sondern auch die Arbeitsweise des DSG fasziniert. Geschaltet wird entweder über Lenkradwippen, in einer manuellen Schaltgasse oder vollautomatisch. In jedem Fall aber ohne jegliche Zugkraftunterbrechung.
autoscout 24.de: Besser geht's nicht! In der Praxis ergibt sich durch das DSG ein vollkommen neues Fahrgefühl: Die Gangwechsel erfolgen ohne jeden Ruck und ohne Zugunterbrechung. Lediglich der Drehzahlmesser zeigt den Schaltvorgang an. DSG = Das Super Getriebe.


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