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Das Werk Salzgitter bewegt – nicht nur zu Lande, sondern auch zu Wasser / Partnerschaft mit CMD bringt neue Impulse


Bärenstark und effizient: Die Frauscher 909 Benaco wird von zwei TDI 350-8-Motoren von Volkswagen Marine angetrieben. Die Aggregate basieren auf dem 4,2-Liter-V8-Diesel, der unter anderem im Audi Q7 und Audi A8 zum Einsatz kommt.
Fotos: MultimediaCentrum / Fischer / Frauscher

Von Außen wirkt die aluminiumverkleidete Halle 10 im Werk Salzgitter eher unscheinbar. Nur ein riesiges Banner an der Fassade deutet auf das, was im Innern gebaut wird. „Volkswagen Marine“ steht dort in grauen und blauen Lettern auf weißem Untergrund. „Superior Technology“.

„Überlegene Technologie“ heißt es nicht von ungefähr: Die Salzgitteraner sind stolz auf ihre maritime Kompetenz, die hier auf 1000 Quadratmetern Hallenfläche gebündelt ist. Das Werk bewegt, nicht nur zu Lande, sondern auch zu Wasser. 14 Aggregate umfasst das Marinemotoren-Portfolio der Salzgitteraner derzeit. Das Spektrum reicht vom Vierzylinder mit 40 PS bis zum Achtzylinder-Turbo-Diesel mit 350 PS. Alle Motoren sind „marinisierte“ Versionen von Diesel-Aggregaten, die ihre Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit bereits auf der Straße unter Beweis gestellt haben.

In der Halle ist es hell, sehr sauber und aufgeräumt, fast klinisch. Der Boden glänzt, die Anlagen wirken wie frisch poliert. Weiß ist die dominierende Farbe. Der Besucher kommt zunächst an großen Regalen vorbei, die mit unzähligen blauen Körben, sogenannten Kleinladungsträgern (KLT), bestückt sind. „Das ist der Kommissionierbereich“, erklärt Meistervertreter Thorsten Anders. Auf Wagen stellen die Mitarbeiter die Teile für die Montage zusammen – nach dem Warenkorb-Prinzip. Montiert wird nicht an einer Linie, sondern auf Montageinseln. Jeder Mitarbeiter baut einen Motor in Handarbeit von A bis Z zusammen. Eine anspruchsvolle Aufgabe, denn ein Fünfzylinder-TDI-Motor setzt sich beispielsweise aus insgesamt rund 1700 Teilen zusammen – circa 350 davon sind marinespezifisch.


 


Thorsten Anders.

Los geht es mit dem „Vor-Lack“. „Im ersten Schritt werden die Teile montiert, die anschließend noch lackiert werden müssen“, sagt Anders. Sein Kollege Martin Breier arbeitet schon an einem Motor im „Nach-Lack“-Zustand, erkennbar am strahlenden Weiß, das alle Marinemotoren von Volkswagen auszeichnet. Es handelt sich um einen Fünf-Zylinder-SDI mit 75 PS. Breier benutzt einen rechnergesteuerten EC-Schrauber. Auf diese Weise können für wesentliche Verschraubungen noch zehn Jahre nach Auslieferung des Motors wichtige Daten wie Drehmomente nachgewiesen werden. Im Marine-Bereich ist ein derart hoher Sicherheitsstandard eher ungewöhnlich.

Um Sicherheit und Qualität geht es auch bei den abschließenden Tests, die jeder Motor vor der Auslieferung durchläuft. Ein Elektro-Check gehört ebenso zum Prüfverfahren wie eine Dichtigkeitsuntersuchung und ein „Heißtest“ auf dem Motorenprüfstand in Halle 2. Getestet wird selbstverständlich auch im feuchten Element: Volkswagen Marine unterhält einen kleinen eigenen Fuhrpark. Testfahrten starten im nahe gelegenen Yachthafen Heidanger, finden aber auch auf der Ostsee statt.


Höchste Qualitätsstandards: Mitarbeiter David Tadjibaev beim „E-Check“ eines Marine-Motors.

Volle Kraft voraus mit TDI-Power aus Salzgitter

13 Kollegen sind derzeit im Montagebereich tätig, hinzu kommt eine vierköpfige Entwickler-Crew. Die Konstrukteure arbeiten unter Hochdruck an einer neuen Motorengeneration, die künftige Abgasnormen erfüllt. Dabei tauschen sich die Experten aus Salzgitter intensiv mit den Ingenieuren des amerikanischen Herstellers Cummins MerCruiser Diesel (CMD) aus. Volkswagen und CMD hatten im vergangenen Jahr eine enge strategische Partnerschaft vereinbart (siehe Interview und Info-Box). Entwickler Jan Kirstaedter sieht die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus Charleston in South Carolina sehr positiv. „CMD ist ein Partner mit großer Erfahrung, von der wir sehr profitieren“, sagt er. Auch menschlich habe sich die Zusammenarbeit gut entwickelt. Zwei- bis dreimal die Woche konferieren die Entwickler telefonisch. Wenn nötig, treffen sich die Marine-Experten auch persönlich. Einen gemeinsamen Workshop gab es schon, weitere sind geplant. Ein weiterer Vorteil: Testfahrten sind am CMD-Firmensitz anders als hierzulande wegen des Klimas ganzjährig möglich.

Das stolze Banner mit Volkswagen Marine-Schriftzug prangt auch in der Montagehalle an mehreren Stellen. Auf den Motoren wird bald das CMD-Logo stehen, denn die Amerikaner sind für Vertrieb und Vermarktung zuständig. Traurig sind die Salzgitteraner darüber nicht. Schließlich verspricht die Partnerschaft noch stärkere Präsenz auf den Märkten und deutlich steigende Absatzzahlen. So heißt es auch zukünftig bei Volkswagen Marine: Leinen los und volle Kraft voraus! me



Der Chef: Thomas Wutscherk leitet Volkswagen Marine.

KURZINTERVIEW

Volkswagen Marine und der US-amerikanische Hersteller Cummins MerCruiser Diesel (CMD) haben im vergangenen Jahr einen Kooperationsvertrag zur Entwicklung und Belieferung von Marinemotoren geschlossen. „autogramm“ sprach darüber mit Thomas Wutscherk, Leiter von Volkswagen Marine.

Herr Wutscherk, Volkswagen Marine-Motoren mit CMD-Logo, blutet Ihnen da nicht das Herz?

Ich sehe die Partnerschaft mit CMD als riesige Chance. CMD verfügt über ein weltweites flächendeckendes Service- und Vertriebsnetz. Etwas Vergleichbares hätten wir aus eigener Kraft nicht oder zumindest nicht kostendeckend aufbauen können. Ein guter Kundendienst ist im Bootssektor enorm wichtig, und es gilt: Das Boot geht nicht zum Service, sondern der Service zum Boot. Außerdem ermöglicht uns die Kooperation mit CMD, den Werften die gesamte Antriebstechnologie aus einer Hand anzubieten. Und apropos Logo: Unsere Motoren werden den Schriftzug „Volkswagen TDI Technology“ tragen.

Was bringt Volkswagen Marine in die Partnerschaft ein?

Wir bringen unsere große Erfahrung in der Aggregatefertigung und unsere hohen Qualitätsstandards ein. Auch in puncto Effizienz haben wir einiges zu bieten. Wir arbeiten gemeinsam mit unseren amerikanischen Partnern an der Entwicklung einer neuen Bootsmotoren-Generation auf Commonrail-Basis, die die ab 2012 in den USA geltende Abgasnorm Tier 3 erfüllen wird. Eine entsprechende Norm wird in Europa 2014 in Kraft treten. Wir möchten gemeinsam Motoren auf den Markt bringen, die ökologisch Klassenbeste sind.

Wann ist die Kooperation angelaufen?

CMD ist seit Beginn des Jahres für Vertrieb und Kundendienst unserer Motoren verantwortlich. Zurzeit arbeiten wir gemeinsam intensiv an der Entwicklung der neuen Aggregate-Generation. Nach einer Übergangszeit werden unsere Motoren exklusiv an CMD geliefert und unter dem Namen CMD vermarktet.

Wie sehen Sie die Zukunft von Volkswagen Marine?

Ich bin sehr optimistisch, dass wir unsere Stückzahlen dank der Partnerschaft mit CMD signifikant steigern können. So wird Beschäftigung bei uns am Standort nachhaltig gesichert. me


FOTOSTRECKE


Kraftpaket: Der derzeit größte Marine-Motor im Sortiment der Salzgitteraner.


Präzisionsarbeit: Mitarbeiter Martin Breier montiert einen SDI 75-5-Motor.

Jan Kirstaedter.