Fotos: Landmann


Der Tee macht‘s...

Ein Tag im Leben von Standortleiter Dietmar Korzekwa / „autogramm“ begleitete den Manager

Das Rezept scheint ganz einfach: Becherweise grüner Tee aus China, ab und zu eine energiespendende Banane, verzehrt zwischendurch im Fahrstuhl, und den ganzen Tag mit viel Tempo auf den Beinen – so bleibt jedenfalls Dietmar Korzekwa fit, Standortleiter Produktion und Sprecher des Standortmanagements im Werk Wolfsburg. „autogramm“ durfte ihn an einem ganz normalen Donnerstag im März begleiten.

Früh aufstehen ist angesagt, denn um 7:30 Uhr ist der erste Termin eingetragen. Um 7:10 Uhr betritt Korzekwa gut gelaunt sein Büro. Assistentin Dr. Bettina Merschkötter wartet bereits mit den aktuellen Stückzahlen aus der Produktion, Sekretärin Gabriele Wenkebach mit dem sieben mal zwölf Zentimeter kleinen Terminzettel für die Jackentasche – ein kurzer, prüfender Blick, dann nickt der Chef zufrieden.


Immer mittendrin, immer ansprechbar: Standortleiter Dietmar Korzekwa.

„Auf geht´s“ – kein bisschen müde sieht Korzekwa aus, dabei hatte er in der vergangenen Nacht erst sehr spät Feierabend, Volkswagen Nutzfahrzeuge hatte den neuen Crafter vorgestellt, „den finde ich richtig gut“, lobt Korzekwa.

Qualität ist das wichtigste Thema

Eine Minute später sitzen wir schon im R 32 und machen uns auf eine sehr sportliche Fahrweise gefasst. „Sportlich? Manchmal schon, aber natürlich nicht hier auf dem Werkgelände“, sagt er. In Halle 18 wird es um die Q-Offensive gehen. Q steht für Qualität. „Qualität ist so ziemlich das Wichtigste“, bestätigt Korzekwa, und einmal die Woche trifft man sich dazu in großer Runde. „Wir verzeichnen eine sehr gute Entwicklung, wir sind auf dem richtigen Weg“, ist er überzeugt. Das Treffen ist heute besonders gut besucht. „Liegt wohl an Ihrer Anwesenheit“, unkt der Standortleiter, der gleich darauf konzentriert zuhört, nachfragt, noch mal nachfragt, dann die Diskussion eine Weile laufen lässt, schließlich eine knappe klare Zusammenfassung abgibt, abfragt, wer was wann wie machen wird, und zügig zum nächsten Tagesordnungspunkt übergeht.


Locker: Kleine Pause zwischen zwei Sitzungen.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Bettina Merschkötter blickt auf die Uhr, der nächste Termin wartet. Im Schnellschritt zurück zum Auto. Vor allem auch durch positive Unterstützung motiviert Korzekwa die Mannschaft in schwierigen Zeiten: „Wir dürfen nicht immer so negativ denken“, sagt er. „Wir sind die Nummer eins in Europa. Technisch sind wir gut, die Qualität hat sich deutlich verbessert. Wir müssen aber noch schneller werden“, zählt er auf. Und wenn er einen Wunsch für das Werk frei hätte, dann würde er sich von den Menschen mehr Mut zu den nötigen Veränderungen wünschen.



Große Runde für Qualität: Korzekwa in
seinem Element – nachfragen, diskutieren,
entscheiden


Im Büro wartet der erste Gast auf „ein persönliches Gespräch“, wir nutzen die Zeit, um von Gabriele Wenkebach mit einem frisch gekochten Kaffee verwöhnt zu werden. Im Vorzimmer herrscht mit der neuen Assistentin und der zweiten Sekretärin Manuela Schikora echte Frauenpower. Die ist Korzekwa aber als verheirateter Mann und Vater zweier Töchter gewöhnt. „Ich sehe den Chef recht selten, eine Besprechung jagt die nächste“, erzählt Gabriele Wenkebach. Das Was, Wo und Wie fragt sie zwischendurch regelmäßig am Handy ab, „aber er meldet sich auch sehr oft“, lobt sie ihren Vorgesetzten und bescheinigt ihm ein gutes Zeitmanagement. Sie arbeite gern hier, sagt sie, „es macht einfach Spaß, und ich kann mir keinen besseren Chef denken.“ Auch Bettina Merschkötter hat sich gleich wohl gefühlt an ihrem neuen Arbeitsplatz. „Auf dem Schreibtisch stand am ersten Tag ein Willkommensblumenstrauß vom Chef, das erlebt man nicht alle Tage“. Dass der Chef den höchstpersönlich besorgt hat und dann spätabends im Büro keine Blumenvase gefunden hat, bekommen wir erst später erzählt. „Vasen stehen bei uns beim Büromaterial, das habe ich jetzt gelernt“, schmunzelt Korzekwa.

Kaufmännische Tipps gibt‘s gratis

Die Sekretärin steckt kurz den Kopf durch die Tür, erinnert an den nächsten Termin. „Grünen Tee müssen Sie nachher aber auch noch probieren“, merkt Korzekwa im Vorbeigehen mit Blick auf unsere Kaffeetassen an. Im Laufschritt geht‘s zum Auto und ab zu Eingang 42. Unterwegs gibt es schon mal die theoretische Einführung zum Tee: Die Blätter kommen direkt aus China und werden nur einmal täglich in die Tasse gegeben. Dann wird immer wieder mit exakt 70 Grad heißem Wasser („bloß nicht 100 Grad, das wird nix“) aufgegossen. Wir sind gespannt. Vorher nimmt der Standortleiter neue Räder für künftige Produkte unter die Lupe. Als Anregung hat er Fotos von der Tokyo Motor Show dabei.

Die nach Fachbereichen aufgebaute Organisation des Werkmanagements, die seit 1991 bestand, wurde vor kurzem in vier so genannten Product Units (PUs) überführt, die selbstständig wirtschaften. Zum Abschied gibt‘s deshalb für die Räderbauer noch einen „kaufmännischen Tipp“: „Ein guter Verkäufer verkauft einem Eskimo einen Kühlschrank“, sagt Korzekwa. Und: „Ich kenne die Anforderungen und das Tagesgeschäft, ich war selbst Lieferant. Wir sind dann wettbewerbsfähig, wenn andere unsere Teile kaufen – und zwar nicht zum Kampfpreis.“


Frauenpower: Assistentin Dr. Bettina Merschkötter (l.)
und Sekretärin Gabriele Wenkebach


Zurück im Büro, fällt ein Termin aus, was den Standortleiter nur kurzfristig verärgert. So bleibt Zeit für Post und Fragen von „autogramm“.
Dietmar Korzekwa ist gelernter Maschinenschlosser und studierter Wirtschaftsingenieur. Anfang der siebziger Jahre hat sich der Bielefelder bei Volkswagen beworben, ging dann aber zur Firma Teves nach Gifhorn. Autos bauen, das blieb sein Ziel, und so bewarb er sich Ende der siebziger Jahre noch mal in Wolfsburg – „das schlimmste Vorstellungsgespräch, das man sich vorstellen kann“. Trotzdem kam schließlich zusammen, was seither zusammen gehört. „Zwischendurch“ arbeitete er allerdings bei Sitech, lernte bei Auslandsaufenthalten Polen und China kennen. China fasziniert ihn noch immer. Dort entdeckte er den original grünen Tee für sich, den „autogramm“ nun kostet.

Fernsehen mit den Postmappen

So ganz teilen wir die Begeisterung für das Gebräu ja nicht, aber wenn‘s fit hält... Das muss es wohl, denn Zeit für Sport hat Korzekwa nicht. Tennis, Surfen oder Skifahren gibt es deshalb nur noch im Urlaub. Wenn er zu Hause ist, sind stets die dicken Postmappen dabei, die er auch schon mal am Sonntagabend bei einem Rosamunde Pilcher-Film durchsieht. „Meine Frau will immer wegschalten, aber ich kann dabei herrlich arbeiten.“ Wir finden noch heraus, dass sein erstes Auto eine Ente war, in die er als „Sicherheitsfanatiker“ nachträglich Gurte einbauen ließ, und dass er seit 1975 Volkswagen fährt, der erste war ein orange-roter Käfer. Dann muss er in eine Videokonferenz. Es geht auf 12 Uhr.



Mittagspause? Fehlanzeige. „Ich plane manchmal eine ein, aber das klappt nur selten“, bedauert die Sekretärin. Die Fahrt zum nächsten Termin, der in der Ladestraße stattfindet, ist vergnügungssteuerpflichtig. Wir sitzen zu viert im elektrischen „Cushman“. Gut, dass wir nichts gegessen haben. Trotz schneller Fahrt entgeht Korzekwa nichts: „Die Karosse gehört da nicht hin“, merkt er an, seine Assistentin schreibt bereits. Nachdem wir mit seinen Gesprächspartnern bisher nicht genutzte Flächen im Werk besichtigt haben, wird beschlossen, diese künftig mit Fahrzeugen zu belegen. Ersparnis: 200000 Euro Auslagerungskosten pro Jahr. Es bleibt tatsächlich noch etwas Zeit, und der Standortleiter lädt uns zur Currywurst ein – sein Lieblingsgericht, aber bitte mit selbst gemachtem Kartoffelsalat. Beim Essen erfahren wir, dass das Original aus Bielefeld natürlich besser schmeckt als die Currybockwurst hier, und dass der Manager durchaus kochen kann – allerdings nur die schwierigen Sachen wie eine Weihnachtsgans. „Nur die Küche aufräumen, das mag ich nicht.“ Weiter geht‘s in die „Null-Fehler-Fabrik“, wo schnelle und pragmatische Problemlösungen, die direkt aus der Mannschaft kommen, vorgestellt werden. Wir zeigen erste Ermüdungserscheinungen, nicht so der Standortleiter. Im Cushman geht es rasant ins Büro zurück und dort zum Gesprächsmarathon. In kleinen Runden geht es wieder um Qualität, Prozesse, Abläufe, Kosten und mehr. Mit einiger Verspätung erreichen wir den letzten Termin: die Geschäftsführerrunde der A-Klasse in der FE. Der Standortleiter ist immer noch topfit, rechnet nach, stellt Fragen, erinnert manchmal ein klein wenig an Detektiv Columbo: „...ich muss da doch noch mal nachfragen“. Es ist 19:30 Uhr, wir sind zurück im Büro. Dietmar Korzekwa sollte jetzt beim Lions Club Gifhorn sitzen, um seine „Anwesenheitsquote zu verbessern“. „autogramm“ verabschiedet sich, während Korzekwa seine Postmappen schnappt. Die Lions müssen wohl noch ein bisschen warten.
mh


 

 

 

 

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