Die Wiege der Göttin

Interview mit Julius von Ingelheim und António Chora* von Volkswagen Autoeuropa

Ihr Standort hat in jüngster Zeit den Zuschlag für die Fertigung neuer Modelle erhalten. Was machen Sie besser als Ihre internen Wettbewerber? Was sind Ihre wichtigsten Standortvorteile?
Julius von Ingelheim: Volkswagen Autoeuropa hat gute Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, wie sie junge Unternehmen eben oft haben, aber natürlich müssen wir uns auch noch verbessern. Unser Unternehmen wurde als Gemeinschaftsprojekt mit Ford 1995 in Betrieb genommen und baut auf den damals wie heute aktuellen Standards von lean management - also schlanken Strukturen und Prozessen - auf. In der überschaubaren Unternehmensgröße von Volkswagen Autoeuropa finden sich die mittelständischen Qualitäten wieder, die in großen Organisationen aufgrund der internen Reibungsverluste und Bürokratismen oft auf der Strecke bleiben: hohe Flexibilität, Transparenz und ein enormer Teamgeist. Bei Autoeuropa ist alles noch sehr persönlich und direkt. Und natürlich liegen wir im europäischen Vergleich beim Lohnniveau eher im Mittelfeld.

António Chora: Das Autoeuropa-Pro­duk­tionssystem und die Flexibilität der Mannschaft führen tatsächlich dazu, dass viele Probleme schnell, informell und vor allem unbürokratisch gelöst werden können. Von Anfang an arbeiten wir im Teamarbeitsmodell, was an anderen Standorten von Volkswagen erst nachträglich eingeführt wurde oder überhaupt erst eingeführt wird. Unser Standort könnte hier als Lernstatt oder „Try out“ für Volkswagen dienen, da wir über jahrelange Erfahrungen verfügen. Und ich glaube, all die Volkswagen Mitarbeiter anderer Standorte, die hier schon gearbeitet haben, werden Ihnen das bestätigen.



Der Eos kommt in diesem Jahr auf den Markt. Wie gestaltet sich der Anlauf bisher?
Von Ingelheim: Jeder Anlauf birgt große Herausforderungen in sich – und erst recht bei einem Auto wie dem Eos. Er ist ja das erste Cabrio-Coupé von Volkswagen mit einem Metallverdeck. Hier mussten die Entwickler und wir Erfahrungen sammeln. Und der Vorstand hat den Anspruch an die Qualität des Autos und der Produktionsprozesse ganz klar definiert. Jetzt ist alles perfekt, und die Produktion läuft an. Herausgekommen ist am Ende ein automobiles Kunstwerk. Wenn man die Begeisterung der Menschen hier beobachtet, die die ersten Fahrzeuge auf den Straßen gesehen haben...

Welche Bedeutung hat der Standort für Portugal?
Von Ingelheim: Unsere Produkte sind nicht nur hier Technologieträger. Sie stellen hohe Anforderungen an die Organisation, an das Umfeld, die Zulieferer und an die Qualifikation der Mitarbeiter. Rund um Autoeuropa haben sich zudem andere Technologie-Unternehmen angesiedelt: in unserem Zuliefererpark. Nehmen Sie noch den Anteil von Autoeuropa an der Exportbilanz des gesamten Landes dazu - der zwischen fünf und zehn Prozent schwankt, je nach Produktionsvolumen -, dann verstehen Sie, dass wir zusammen mit Firmen wie Siemens wirklich der industrielle „Herzschrittmacher“ für Portugal sind. Deutschland ist seit Jahren der größte ausländische Investor in Portugal.

Chora: Ja, deutsche Unternehmen und insbesondere Volkswagen genießen ein hohes Ansehen in Portugal, auch im Sinne der Nachhaltigkeit: Gemeinsam mit Siemens und Bosch haben wir eine Ausbildungseinrichtung geschaffen, die eine moderne und zielgerichtete Qualifikation erlaubt. Volkswagen beschäftigt heute in der Region direkt und indirekt fast 9000 Menschen und ist die größte Fabrik in Portugal. Deshalb müssen wir unser Engagement für die Region verstärken und unsere soziale Verantwortung tragen.



Was sind die wichtigsten Ziele für die nächsten Jahre?
Chora: Autoeuropa war konzipiert für ein Produkt, das unter drei Marken verkauft wurde. Das ist immer gefährlich für einen Standort, schon aufgrund von konjunkturellen Schwankungen. Die Standortauslastung sank in den letzten Jahren auf unter 40 Prozent! Dass der Standort jetzt wieder Produkte bekommt, empfinden wir alle nach den vielen Monaten der Unsicherheit wie einen Gewinn im Lotto. Trotzdem werden die nächsten Jahre extrem hart für die Kollegen.


Junges Werk, schlanke Prozesse:
Ein Blick in die Eos-Montage.


Von Ingelheim: Natürlich ist eine vernünftige Auslastung der Fertigungskapazitäten mit das Wichtigste für einen Standort. Deshalb sind ja auch weitere Produkte so wichtig für den Standort und das Land. Mit der vorhandenen Infrastruktur, der Schnelligkeit und Flexibilität eignet sich das Werk hervorragend für kleinere Produktvolumina, für Nischenprodukte. Personalpolitisch haben wir uns aber auch mehr Auslandseinsätze für portugiesische Mitarbeiter auf die Fahnen geschrieben. Gelegenheiten oder besser Bedarf dazu gibt es genug: Eos-Markteinführung in den USA oder Projektarbeiten in Wolfsburg. Inzwischen sind schon mehr als 30 Mitarbeiter im Auslandseinsatz. Sie sehen, wir haben ein gutes Team und freuen uns auf kommende Aufgaben!

*Julius von Ingelheim ist Leiter des Personalwesens, António Chora ist Koordinator des Betriebsrats von Volkswagen Autoeuropa. Das Gespräch führte Birgit Ziesche.


 

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