„Ameisenhaufen“: Das Gelände des Emder Autohafens, aus der Luft betrachtet.
Fotos: Krämer


Alle Wege führen nach Emden

Rund 900000 Fahrzeuge werden pro Jahr im Emder Hafen umgeschlagen. Die Volkswagen Logistics sorgt dafür, dass jedes einzelne schnell und sicher zu seinem neuen Besitzer kommt.

Der Blick aus 30 Metern Höhe, herab vom Oberdeck der Vega Leader auf die Stellflächen des Emder Außenhafens, erinnert ein wenig an einen Ameisenhaufen. Mehr als 16000 Volkswagen, Audi, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Bentleys, aber auch Porsche-Fahrzeuge stehen in scheinbar zufälliger Anordnung in Reih und Glied. Die Geschäftigkeit am Boden wirkt chaotisch. Und doch spürt man, dass alles einer festen Systematik folgt.

Die Mitarbeiter der Volkswagen Logistics und ihrer Dienstleister wissen genau, was zu tun ist. Nach EDV-gestützen Staulisten organisieren sie das Laden und Löschen der riesigen Schiffe, die im aktuellen Modell-Mix durchschnittlich rund 3500 Fahrzeuge schlucken.

Es mutet wie ein Traumjob an: Täglich die neusten Modelle von Volkswagen, Audi, Seat, Skoda, Lamborghini und Bentley zu fahren, oft schon vor der offiziellen Markteinführung. Und für viele der Fahrer ist es das auch. Doch die Verantwortung in diesem Geschäft ist hoch. „Zeit ist Geld“, diese Weisheit gilt insbesondere für die Liegedauer von Schiffen. Bis zu 2200 Fahrzeuge fahren die Stauer pro Schicht im Roll-on-Roll-off (RoRo)-Verfahren in die riesigen Bäuche der Ozeanriesen. Oberste Priorität bleibt dabei natürlich: Die Autos müssen nach ihren Weltreisen völlig unversehrt zum Kunden gelangen. Da ist Sorgfalt gefragt.

Wie ein riesiges, zwölfstöckiges Parkhaus wirkt der Auto-Carrier im Innern. Es dröhnt. Es hallt. Es quietscht. Eine Kompositon von Geräuschen der riesigen Abluftrohre, der Maschinen zur Stromverorgung, der Fahrzeugbewegungen auf den Stahldecks und das Quietschen der Reifen auf dem in blitzsauberem Weiß getrichenen Untergrund verschmilzt zu einer unverwechselbaren Kakophonie. Der Laderaum verstärkt das Ganze wie ein riesiger Resonanzkörper.


Der Emder Hafen von oben: 400000
Quadratmeter Stellflächen stehen zur
Verfügung.


Geschulte Einweiser dirigieren die Fahrer mit eingespielten Gesten sicher in die Stellplätze, nur wenige Zentimeter vom zuvor geparkten Fahrzeug entfernt. Die Spanngurte für das so genannte Laschen liegen schon an ihrem Platz bereit – damit man nicht mit ihnen zwischen den Autos hindurchlaufen muss. Motto: Bloß keine Kratzer!

Das Laschen ist unerlässlich. Auf den langen Wegen zwischen den 28 Volkswagen Häfen in Japan, Nord- und Südamerika, Europa und Asien ist die See oft unruhig. Während der bis zu vierwöchigen Reisen werden auch die dicksten Pötte ordentlich durchgeschüttelt. Da müssen die dicht an dicht verladenen Fahrzeuge wie angewachsen an ihrem Platz stehen bleiben. Nur dann kommen sie in Top-Form an ihren Zielorten an und bestehen den strengen Auslieferungscheck, die so genannte Pre-Delivery-Inspection (PDI), bei der Teilmengen der Lieferung vor Übergabe an die Händler auf Qualität geprüft werden.

„Bloß keine Kratzer“

Und wenn eines der bis zu 20000 Fahrzeuge, die auf Ihrem Weg zum Kunden einen kurzen Zwischenstopp in Emden machen, auf den riesigen Stellflächen verwechselt wird?


Beladung: 3500 Fahrzeuge passen auf die Vega Leader (links);
Verwechslung ausgeschlossen: Ein Mitarbeiter scannt das Fahrzeug an Deck
ein (rechts)


Geht es dann statt nach Kanada vielleicht nach Japan? Hafenkapitän Dieter Stomberg schließt das aus: „Ein Arbeiter erfasst jedes Auto vor dem Einparken an Deck mit einem Handscanner. Sollte es auf einem falschen Deck oder gar einem falschen Schiff stehen, gibt das elektronische Kontroll-System Alarm. Eine Fehllieferung ist somit ausgeschlossen.“

Immer mehr Autos am Meer

Emden ist nicht nur Verschiffungshafen für Konzern-Modelle, die von den europäischen Standorten aus in alle Welt gehen. Emden ist auch Anlandungshafen für Fahrzeuge aus den Werken in Brasilien, Mexiko, England, Spanien und Portugal, die für Kunden in Zentraleuropa bestimmt sind. Was liegt da näher, als dass die Fachleute des Werks Emden bei Bedarf die PDI-Funktion für einige dieser Modelle übernehmen? Zum Beispiel für den Fox aus Brasilien. Rund 2000 dieser Volkswagen werden hier wöchentlich von der Truppe um Stefan van Vügt gecheckt. Immer mit dabei: ein Resident aus dem produzierenden Werk, im Fall des Fox aus dem brasilianischen Anchieta. Markteinführungsvolumina, also die ersten Fahrzeuge eines neuen Modells, werden bei den PDIs besonders geprüft. Und auch um die Vorbereitung von rund 450 Fahrzeugen pro Woche für die Just-in-Time-Lieferung zur Autostadt Wolfsburg kümmert sich die Mannschaft der Wagenfertigstellung Emden. Zur Zeit durchlaufen in Emden gefertigte Passat und Passat Variant sowie der Sharan aus Portugal und der Polo aus Spanien den Autostadt-Prozess im Werk am Meer.


Ein verhüllter Bentley bei der Beladung.

Nur die Häfen Zeebrügge in Belgien und Bremerhaven verschiffen in Europa mehr Autos als Emden. Das Umschlags-Volumen im Volkswagen Hafen wächst stetig. Weil die Millionengrenze in Sichtweite kommt, wurde 2004 sogar ein neuer Anleger für die größten der aktuellen Auto-Carrier gebaut, die so genannte Emspier. „Ein wesentlicher Grund für den Zuwachs der letzen Jahre sind die weltweit steigenden Auslieferungen des Volkswagen Konzerns“, erklärt Hans-Wilhelm Wildeboer, Leiter der Volkswagen Logistics in Emden, die Entwicklung. „Der Zuschlag für den Fox im vergangenen Jahr hat unserer Autoverladung einen zusätzlichen Schub gegeben“, sagt er. Die Investionen, auch der öffentlichen Hand, in die neue Ems­pier hätten sich damit schon jetzt als richtig herausgestellt. Aber auch der Ausbau des Geschäfts mit konzernfremden Kunden trage dazu bei, dass die Million 2006 gestreift werde. Hersteller wie Porsche, Nissan oder Mercedes vertrauen auf die Arbeit der Emder Mannschaft.uf


STECKBRIEF
Das Schiff (Vega Leader):
Baujahr: 2004
Länge: 180 Meter
Breite: 32 Meter
Höhe: 35 Meter
Tiefgang max.: 9, 60 Meter
Geschwindigkeit: 30 bis 40 km/h
Anzahl Decks: 12
Kapazität: 3500 Fahrzeuge im Fahrzeug-Mix, rechnerisch 6000 Kleinwagen (zum Beispiel Fox)
infobox
Hafen in Zahlen und Fakten: Emden ist der Knotenpunkt für die internationale Automobil-Logistik des Volkswagen Konzerns zwischen Europa und Übersee. 750 Schiffe, 60000 Eisenbahnwaggons und 25000 Lkw bringen in einem ausgefeilten logistischen Prozess rund 900000 Fahrzeuge pro Jahr zeitnah zu ihren Kunden in aller Welt.
Auf den 400000 Quadratmetern Stellfläche werden zeitgleich bis zu 20000 Fahrzeuge zwischen den Verkehrsträgern Bahn, Lkw und Schiff umgeschlagen. Die Flächen sind komplett eingezäunt und gesichert. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York gelten verschärfte Sicherheitsbestimmungen für den internationalen Schiffsverkehr und die Abwicklung in den Häfen.

Insgesamt 600 bis 800 Mitarbeiter kümmern sich im Schicht-Betrieb um das Be- und Entladen von Bahnwaggons, Lkw und Schiffen. Der gesamte Verladebetrieb – die so genannten land- und seeseitigen Umschläge – belaufen sich pro Tag auf durchschnittlich 5000 Eingänge und 5000 Ausgänge. 28 Häfen in Europa, Nord- und Südamerika und Asien werden von den Auto-Carriern für Volkswagen angelaufen. Von 2004 auf 2005 stieg das Umschlagsvolumen nur für die Verschiffung in Emden um 100000 auf 870000 Fahrzeuge. 2006 wird die Marke von 900000 Einheiten überschritten. Viele Fahrzeuge erreichen oder verlassen Emden per Bahn. Die Autozüge sind bis zu 600 Meter lang. Die Be- und Entladung erfolgt über eine Schiebebühne: Einzelne Waggons werden seitlich aus dem Zug herausgeschoben. So müssen die Neufahrzeuge nur kurze Wege über die Waggons zurücklegen. Damit schafft ein Fahrer bis zu 120 Fahrzeugbewegungen pro Schicht. Ohne die Schiebebühne wären es nur etwa 35.
 
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