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Ralph Linde und Bernd Wehlauer zum neuen Stellenwert von Personalentwicklung und Fachkompetenz
Volkswagen hat die Zukunft im Blick und mit der Strategie 2018 den Kurs für die nächsten zehn Jahre abgesteckt. Eine Spitzenmannschaft, die sich durch Kompetenz, Engagement und Fitness auszeichnet, ist Voraussetzung für die Umsetzung dieser Strategie. Die Personalentwicklung steht dabei im Fokus. „autogramm“ sprach da­rüber mit Ralph Linde, Sprecher der Geschäftsführung der Volkswagen Coaching GmbH (Foto links), und Bernd Wehlauer, stellvertretender Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrats.

Foto: Landmann

Welchen neuen Stellenwert hat die Personalentwicklung bekommen? Und in welchem Zusammenhang steht sie mit den neuen Herausforderungen des Unternehmens?

Linde: Volkswagen sucht die Besten und will ein Top-Arbeitgeber der Branche werden. Wir wollen attraktiv sein für leistungsstarke Hochschulabsolventen und Schüler, um auch zukünftig eine Spitzenmannschaft formen zu können. Gleichzeitig wollen wir aber auch, dass sich unsere heutigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter optimal entwickeln können. Um dieses Ziel erreichen zu können, braucht die Personalentwicklung einen besonderen Stellenwert. Wir müssen also nach innen und außen besser werden. Eine strukturierte Personal- und Nachfolgeplanung oder Entwicklungswege im Tarif zum Beispiel – Dinge, die zu einer guten Personalentwicklung gehören – fehlen uns bisher in der Fläche des Unternehmens.
Wehlauer: Wir begrüßen sehr, dass das Unternehmen der Personalentwicklung besondere Beachtung schenkt. Den Beschäftigten kann das nur Recht sein, wenn an dieser Stelle investiert wird, weil damit ja auch ihre Attraktivität und ihr Marktwert erhöht werden.

„Fachkompetenz wird künftig ganz stark in den Fokus rücken.“

Das gilt für alle Mitarbeiter?

Linde: Ja, wir wollen allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei Volkswagen die Möglichkeit bieten, sich zu entwickeln. In den vergangenen Jahren lag der Schwerpunkt auf der Managemententwicklung. Wir müssen aber einen Rahmen schaffen, in dem unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihr gesamtes Berufsleben hindurch und auf allen Hierarchieebenen erleben, dass eine Weiterentwicklung möglich ist. Das ist ein wichtiger Motivationsfaktor.

Welche Angebote macht Volkswagen konkret?

Linde: Zum Beispiel starten alle Hochschulabsolventen, die bei Volkswagen einsteigen, jetzt mit dem zweijährigen Trainee-Programm „StartUp“. Zudem werten wir das Thema Führung – insbesondere im Tarif – auf, indem wir mit der „Führungslizenz“ auf die Übernahme von Führungsverantwortung vorbereiten. Weiteres Beispiel: das neue Auswahlverfahren Management. Hier fließt jetzt über das „Leistungsgutachten“ die im Job erbrachte fachliche Leistung viel stärker ein. Insgesamt rückt künftig die Fachkompetenz ganz stark in den Fokus der Personalentwicklung.

Können Sie schon genauer sagen wie?

Wehlauer: Wir leben hier von fachlich hervorragend ausgebildeten Menschen. Wir müssen dahin kommen, dass wir nicht immer nur davon reden, Top-Manager auszubilden. Nein! In erster Linie braucht es fachliches Know-how, Leistungswillen und Engagement. Wir brauchen auf allen Ebenen diese Fachlichkeit und unternehmerisches Denken. Nur so können wir auch auf allen Ebenen gewinnen.
Linde: Es gibt viele qualitativ anspruchsvolle und für uns enorm wichtige Funktionen im Tarif. Wir müssen uns aber überlegen, wie wir die Menschen zukünftig gezielt auf diese Funktionen hin entwickeln und diese Entwicklungswege im Tarif sichtbar, vor allem aber als erfolgreiche Karrieren erlebbar machen. Personalentwicklung hat für mich drei wesentliche Bestandteile: Erstens die Entwicklungswege, die wir gerade skizziert haben. Zweitens das Thema Kompetenzentwicklung, also systematische Weiterbildung und Qualifizierung – da müssen wir unbedingt ran, denn da gibt es großen Bedarf. Und der dritte Schwerpunkt ist die Entgeltentwicklung, die mit den anderen beiden Aspekten passgenau verzahnt werden muss.
Wehlauer: Wichtig ist uns als Betriebsrat auch, dass wir für jede Stelle, die im Management zu besetzen ist, mindestens zwei Bewerber haben, zwischen denen man wählen kann. Im Tarif ist das normal, bei Führungskräften nicht. Das kann man nur schwer nachvollziehen, denn schließlich brauchen wir gerade auch an der Spitze Konkurrenz, um die Besten für den Job zu finden.

Wenn wir alle geplanten Maßnahmen zusammennehmen, wie wird sich auf lange Sicht das Verhältnis der Mitarbeiter zum Unternehmen ändern?

Wehlauer: Ich habe die Hoffnung, dass sich die Kolleginnen und Kollegen wahrgenommen fühlen. Wenn jemand feststellt „Ich werde gebraucht, ich werde gefördert“, dann entwickelt er auch ein ganz anderes Zugehörigkeitsgefühl.
Linde: Das sehe ich ganz ähnlich. Weiterhin glaube ich, dass es darum geht, Leistung stärker anzuerkennen. Wer Verantwortung übernimmt, sich engagiert und mitgestaltet, muss auch spüren, dass sich das lohnt.

Wie betten Sie das Thema Personalentwicklung in bestehende Strukturen ein?

Linde: Natürlich werfen wir nicht alles um. Und natürlich gibt es in einem so großen Unternehmen wie Volkswagen überall gute Beispiele für Personalentwicklung. Grundsätzlich kann man sagen, wir bewahren das, was Sinn macht, und wir verändern, was noch nicht ausreichend entwickelt oder bisher noch nicht vorhanden ist. Das wird ein strukturierter und langfristiger Prozess.
Wehlauer Was mir noch fehlt, ist eine konkrete Einschätzung über das Machbare. Die Konzepte können noch so gut sein – sie müssen auch von Menschen umgesetzt werden. Und da haben wir ein Problem mit Kapazitäten und müssen noch Lösungen finden.

Was geben Sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit auf den Weg?

Linde: All diese Programme und Ideen werden nicht leben, wenn die Mitarbeiter nicht engagiert mitmachen. Und es braucht engagierte Führungskräfte, die Verantwortung für ihre Leute übernehmen, indem sie sie unterstützen und fördern. Personalentwicklung muss Herzenssache aller Führungskräfte sein.
Wehlauer: Es werden Erwartungen geweckt. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass das Gegenteil eintritt, wenn diesen Erwartungen nicht entsprochen wird. Deshalb sage ich ganz klar: Wir können Personalentwicklung nicht „ein bisschen“ betreiben, sondern nur konsequent.
Linde: Da gebe ich Herrn Wehlauer Recht! Wir werden unsere „Mach18“-Ziele nur erreichen, wenn wir die Entwicklung der Menschen bei Volkswagen ernst nehmen und konsequent vorantreiben.

INFO

Führungslizenz: Sie setzt sich aus der Führungskräfte-Basis-Qualifizierung und einer anschließenden Prüfung zusammen. Zielgruppe sind alle, die zukünftig Führungsverantwortung übernehmen sollen. Für Meister führen wie bisher Meister-Basis-Qualifizierung und Meister-Entwicklungs-Klausur zum Erwerb der Führungslizenz.

Management-Auswahl: Das neue Verfahren beinhaltet neben einem Assessment Center ein Leistungsgutachten, das vor allem die bisher erbrachten fachlichen Arbeitsleistungen bewertet. Führungskompetenz wird zukünftig nur in der Führungslizenz überprüft.

Die Traineeprogramme StartUp Direct und StartUp Cross: Mit dem 24-monatigen Traineeprogramm „StartUp Direct“ steigen zukünftig alle Hochschulabsolventen und Young Professionals (maximal drei Jahre Berufserfahrung) bei Volkswagen ein. Neben der Tätigkeit im Fachbereich werden Seminare sowie Einsätze im Handel und der Produktion sowie optional ein Auslandseinsatz durchlaufen. Parallel dazu wird das erfolgreiche Internationale Traineeprogramm unter dem Namen „StartUp Cross“ fortgeführt. Es dauert nun 18 Monate und bietet die Möglichkeit zur mehrwöchigen Projektarbeit im In- und Ausland sowie zu Einsätzen entlang der Prozesskette.
Weitere Infos gibt es in den nächsten Tagen im Volkswagen Portal unter „Ich bei VW“ / „Beruf & Bildung“ / „Mitarbeiterförderung“ bzw. „Aus- und Weiterbildung“.