Wandelndes Skoda-Lexikon
Peter Sudeck hat sein Herz an die Traditionsmarke verloren / Historiker aus Leidenschaft
Eine angemietete Scheune in Hattorf: Hier stehen sie, die Lieblinge von Peter Sudeck. Eine rote Felicia aus dem Jahr 1961, ein stattlicher 1925er Laurin und Klement, ein schwarzer rallyeerprobter Octavia – um nur einige zu nennen. Sieben Skoda-Oldtimer hat Peter Sudeck gekauft und ihnen „das Laufen wieder beigebracht“, seit er 1991 für sechs Jahre vom Wolfsburger Volkswagen Werk als Leiter der Qualitätssicherung nach Mladá Boleslav in Böhmen wechselte. „Hier hat es mich einfach gepackt“, resümiert der studierte Maschinenbauer Sudeck, „meine Begeisterung für Tschechien, die Marke Skoda und für Land und Leute ist seitdem ungebrochen.“
In Tschechien angekommen, faszinierten ihn die enorme Bandbreite Skodas im Automobilbau und die hoch entwickelte tschechische Industriegeschichte. „Im Westen war das kaum bekannt“, erklärt Sudeck, „hier registrierte man nur die Episode von etwa 20 Jahren, in der kleine Klapperkisten gebaut wurden.“ Und so machte er es sich zur Aufgabe, das einseitige Bild zu revidieren, das die Meinung über Skoda lange prägte.
Zunächst widmete er sich der tschechischen Sprache: „Das war nicht einfach, aber bald konnte ich mich gut verständigen und lernte viele Einheimische kennen. Auch heute haben meine Frau und ich enge Kontakte nach Tschechien.“ So besteht ein reger Austausch mit dem Unternehmensmuseum in Mladá Boleslav, das großen Wert auf Traditionspflege legt. Seit Peter Sudeck im Dezember 2001 in den Ruhestand wechselte, hat er diese historische Arbeit noch intensiviert: „Bevor ich in der Rente Däumchen drehe, nehme ich lieder die Traditionspflege für Skoda in die Hand“, sagt er.
Zum ersten Mal zur „Histo Monte“
In dieser Rolle fungiert er als wandelndes Skoda-Lexikon: Die vollständige Firmengeschichte von den Anfängen im Jahr 1895 bis zur heutigen Entwicklung als etablierte Marke scheint in seinem Kopf abrufbar zu sein. So sind seine Fachvorträge gefragt, und für die „Lange Nacht der Museen“ verpflichtete die Wolfsburger Autostadt ihn bereits als Skoda-Experten. Zudem engagiert er sich in verschiedenen Skoda-Vereinen, organisiert Clubtreffen und nimmt an Ausfahrten und Rallyes teil, so wie in diesem Jahr erstmals an der „Histo Monte“ in Monaco.
„Meine Arbeit in Mladá Boleslav hat mir damit – neben beruflichen Herausforderungen und der Liebe zu Land und Leuten – ein faszinierendes Hobby beschert. Heute arbeite ich handwerklich, halte den Kontakt zu ehemaligen Kollegen, tausche mich mit anderen Skoda-Begeisterten aus und bin von traumhaften Autos umgeben. Was will man mehr“, freut sich Sudeck. jh
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