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Schweden starteten nach sechs Jahrzehnten einen Jubiläumstrip zu Volkswagen / Kontakt über Kollegen bei Scania
Vor genau 60 Jahren besuchten Lars Nilsson, 79, und Bengt Hemberg, 78, nach Abschluss ihrer Mechanikerausbildung Wolfsburg. 1953 erkundeten sie einen Tag auf eigene Faust Stadt und Werk, besichtigten die Montagelinien der Volkswagen Käferproduktion, sprachen mit Arbeitern der Motorenfertigung, die Zylinder, Ventile und Zündkerzen montierten. Jetzt machten sie sich ein zweites Mal auf, um Wolfsburg und das Volkswagen Werk zu besuchen.


Das Reisetagebuch der beiden Schweden: Rechts das Foto vom Wolfsburger Tourguide mit der geschenkten Büchse Kaffee.

Der Anlass für diese Reise war – wie damals auch – ein besonderer. Damals war es der Abschluss an der Hälsingborg Stad Skolar för Yrkesundervisning, der Berufsschule von Helsingborg. Er war für acht Schüler und einen Lehrer – allesamt autoverrückt – der Grund, mit zwei geliehenen Autos nach Wolfsburg aufzubrechen.
Diesmal war es das 60-jährige Klassentreffen, das die beiden rüstigen älteren Herren zum Anlass nahmen, die Reise noch einmal zu machen. Und anders als damals, als sie sich kaum ein Hotel leisten konnten und einige Male sogar im Auto übernachteten, ging es heute deutlich komfortabler zu.

Denn dieses Mal reisten drei Generationen mit: Neben den beiden Ehefrauen, beide mit Namen Ingrid, waren es ihre beiden Söhne, die beide Magnus heißen, sowie die Enkelkinder Maja und Johan, die beide 17 Jahre alt sind. Alle waren sehr gespannt, den Konzernsitz von Volkswagen und die Fahrzeugproduktion in einem der größten Automobilwerke der Welt zu sehen.
Als Lars Nilsson im Herbst vergangenen Jahres die Idee hatte, nach 60 Jahren noch einmal das Volkswagen Werk zu besuchen, fragte er Sohn Magnus, ob der ihm bei der Organisation helfen könne – jetzt, da dessen Arbeitgeber Scania zur großen Volkswagen Familie gehört. Magnus arbeitet in der Technischen Entwicklung und trug wenig später Technik-Vorstand Harald Ludanek sein Anliegen vor. Daraus entstand ein Programm mit persönlicher Werkführung, einem Besuch der Volkswagen Classic und einer Führung durch die Autostadt.


Kurz vor der Jubiläumstour von Schweden nach Wolfsburg: Harald Ludanek (r.), Technik-Vorstand bei Scania, besuchte die Reisenden Lars Nilsson (M.) und dessen Sohn Magnus.


Die Frau von der Werks­kommunikation: 1953 im Bild festgehalten von den schwedischen Gästen.

Alle drei Generationen der Familie Nilsson haben eine enge Bindung zu Scania. Neben Sohn Magnus arbeitet auch die Schwiegertochter dort, Enkelin Maya besucht das Scania-Gymnasium. Jubilar Lars Nilsson arbeitete viele Jahre bei AB Alvenius Industries, einem Zulieferer von Scania, wo er unter anderem verantwortlich war für die Wartung von Scania Bussen und LKW.

Aber auch zu Volkswagen besteht seit jeher eine enge Bindung. So war der erste Dienstwagen von Lars Nilsson 1958 ein gebrauchter Volkswagen Käfer. Im Jahr darauf bekam er einen ganz neuen Volkswagen als Dienstwagen, den er bei der 500-Kilometer-Inspektion prompt an einen Laternenpfahl fuhr, wie er lachend erzählte. „Aber das war sehr günstig damals. Die Dienstwagennutzung kostete uns 25 Kronen, das wären heute drei Euro”, lacht er. Auch Bengt Hemberg fuhr viele Jahre Volkswagen Käfer. Der letzte, den er 1960 erstand, hatte bereits eine große ungeteilte Heckscheibe.


Fotos: Verena Deeken / privat


Typisch Volkswagen: Die Currywurst ist Programm.

Vor allem aber die Reise, die sie 1953 zum Volkswagen Werk machten, drückt die große Verbundenheit aus, die lange vor der Integration von Scania als Marke in den Volkswagen Konzern stattfand. „Wer genau damals die Idee hatte? Wir können es nicht wirklich sagen. Unser Lehrer Richard Wahlkrist hatte die Reise organisiert”, berichteten sie im Interview. Beide Jubilare waren sehr gespannt, wie sich Stadt und Werk in den vergangenen Jahren entwickelt haben und was sie nach all der Zeit wiedererkennen würden. Im Gepäck hatten sie Fotos und die Erinnerungen von damals, immer wieder schlugen sie das Reisetagebuch auf, um nachzusehen: „Im Hotel Steimkerberg haben wir geschlafen, sehen Sie”.

Sie zeigten „autogramm” die alte Rechnung vom 7. Juni 1953: 33,87 Mark hat die ganze Gruppe damals bezahlt und auch einen „Teuerungszuschlag” von 35 Pfennig hinnehmen müssen. Mit einem Lächeln zeigte Lars Nilsson auf eines der Fotos von damals: „Das ist eine junge Dame von der Kommunikation, die im Gras steht, um das Werk zu fotografieren”, erinnert er sich. Und mit Rührung denken er und Bengt Hemberg an den Tourguide, der sie mit einer finnischen Gruppe durch das Werk führte und sehr gut betreute. Man hatte sie in der irrigen Annahme, dass Schweden und Finnen dieselbe Sprache sprechen, in eine Gruppe „gesteckt”.


Staunten: Magnus, Bengt und Lars (v.l.) bei der Werktour.


Erinnerungsfoto: Marion Just (2.v.l.) und Bruno Hennika (r.) begrüßten die schwedischen Gäste bei den Besucherdiensten. Fotos: MultimediaCentrum / Landmann

Als Dankeschön überreichten sie dem Kollegen der Besucherdienste damals ein halbes Pfund Kaffee aus ihren Vorräten und lichteten ihn ab, wie er vor Freude strahlte. Auch Tor 17 ist auf den Fotos gut zu erkennen. Beim Besuch jetzt im Juni gab es für die Gastgeber zwar keinen Kaffee, aber: „Wir haben viel Informationsmaterial für Sie im Gepäck, damit Sie vielleicht Lust bekommen, einmal Schweden zu besuchen.” Das versprechen wir beim Abschied: „Hey do till Scania!” – „Auf Wiedersehen bei Scania!” vd/mh

KURZINTERVIEW...

…mit
Lars Nilsson und Bengt Hemberg

1953 hatten Sie sich zwei
Autos für die Fahrt geliehen.
Welche waren das?

Hemberg: Ein Mercedes von 1949 und ein Plymouth von 1936.

Wie war die Tour damals?
Nilsson: Ich bin die meiste Zeit gefahren. Die Straßen waren leer, oft waren wir die einzigen Autos. In Schweden hatten wir bis 1967 noch Linksverkehr. Als wir dann in Dänemark von der Fähre rollten, war es deshalb eine große Umstellung für uns rechts zu fahren.


Lars Nilsson und Bengt Hemberg

Was ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Nilsson: Die erste Nacht in Hamburg. Wir gingen eine Straße entlang und plötzlich war da hinter einem Fenster ein Fernseher. Dort zeigten sie die Krönung von Elisabeth von England. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen Fernseher sah. Wir standen da mit über 20 Leuten und haben durch das Fenster gestarrt.

Gab es Pannen?
Hemberg: Ja, bei einem Wagen war das Hinterrad lose und machte komische Geräusche. Das haben wir reparieren müssen in einer kleinen Werkstatt.

Wie war die Fahrt diesmal?
Nilsson: Es ist nicht vergleichbar, wir wohnen so komfortabel und alles ist so gut organisiert. Ehrlich: Wir hätten nie geglaubt, dass aus der Idee, die Fahrt zu wiederholen, so eine große Sache wird.