Den Spezialbehältern auf der
Spur
„Behälterpolizei“
nutzt das Handynetz zur Ortung / Pilotprojekt im Geschäftsfeld
Hinterachse
Braunschweig/Wolfsburg
– Es ist schwarz, handtellergroß und hat das Innenleben
eines Handys: Das an Spezialbehältern montierte Modul,
ein unauffälliges flaches Kästchen, ermöglicht
die genaue Ortung der Behälter auf dem Transportweg und
sorgt so dafür, dass diese zur richtigen Zeit am richtigen
Ort sind. „Mit Hilfe dieser Behälterpolizei verhindern
wir, dass die Behälter verloren gehen oder ungenutzt
liegen bleiben“, erklärt Helge Schwarz, Industrial
Engineering Marke Volkswagen. „Das verringert Ausfallzeiten
und spart erhebliche Kosten.“ Die Behälterpolizei
bedient sich der GSM-Technologie (Global System of Mobile
Communication), auf der auch die gängigen Handynetze
basieren.
Seit kurzem sind die GSM-Module im Geschäftsfeld-Hinterachse
am Standort Braunschweig im Einsatz – als Flächenprojekt.
25 Module wurden an Spezialbehältern montiert, in denen
Hilfsrahmen für die Hinterachse des Audi A4 transportiert
werden. Die Hilfsrahmen werden per Lkw zu Audi nach Ingolstadt
oder zur Verschiffung nach Emden gebracht. „Durch den
gezielten Einsatz der GSM-Technologie sind wir in der Lage,
140000 Euro einzusparen“, betont Bernd Ahlfänger,
Unterabteilungsleiter im Geschäftsfeld Hinterachse. Die
Kosten entstehen durch einen größeren Verpackungsaufwand:
Wenn Gestelle fehlen, müssen die Mitarbeiter der Fertigung
die Hilfsrahmen aus dem noch vorhandenen Gestell auf eine
Palette umpacken und später wieder zurückpacken.
In jedem Modul befinden sich eine Handykarte, die Software
und eine Batterie mit einer Laufzeit von bis zu 50 Monaten.
Die GSM-Module melden sich über die vorhandene Infrastruktur
der mobilen Netzanbieter an allen erreichbaren Sendemasten
an. Ihre Position ist in Ballungsräumen mit einer Genauigkeit
von bis zu 50 Metern, außerhalb von bis zu einem Kilometer
zu bestimmen. Der zuständige Mitarbeiter kann am Rechner
über eine digitale Landkarte Auswertungen über die
genaue Position der Behälter zu einer bestimmten Zeit
abrufen. Die Anwendung läuft über Internet oder
Intranet auf jedem PC und erfordert kaum Schulungsaufwand.
Rund 1,8 Millionen Spezialbehälter sind in und zwischen
den inländischen Volkswagen-Standorten im Umlauf. Diese
Behälter kommen dort zum Einsatz, wo Teile mit Hilfe
von Robotern verpackt werden. Etwa 200000 Spezialbehälter
werden jährlich neu angeschafft. Schon diese Zahl verdeutlicht
das Einsparpotenzial der Behälterpolizei. Die Idee wurde
gemeinsam von der Industrial Engineering Marke VW und der
Braunschweiger Firma prodim consult entwickelt. „Ein
Patent haben wir schon angemeldet“, sagt Schwarz.
Patent ist schon angemeldet
Auch in der Braunschweiger Servolenkungs-Fertigung
wurde die Ortungs-Technik bereits getestet – mit Erfolg.
Audi hat ebenfalls GSM-Module bestellt, Seat hat Interesse
bekundet. Schwarz ist zuversichtlich, dass sich die Technik
durchsetzt – auch in anderen Bereichen. Denkbar wäre
beispielsweise die Ortung gestohlener Geschäftsfahrzeuge,
erklärt er. „Wir fangen aber erst einmal klein
an, um zu zeigen, dass es funktioniert.“ -me-
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