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Markenchef Herbert Diess ist angetreten, die Pkw-Marke Volkswagen fit für die Zukunft zu machen. Dazu sollen die Investitionen um rund eine Milliarde Euro pro Jahr reduziert sowie das Effizienzprogramm deutlich beschleunigt werden.

 

Warum hat die Marke Volkswagen ein so ambitioniertes Effizienzprogramm auf den Weg gebracht?
Volkswagen wird in den kommenden Jahren massiv in neue Technologien und Geschäftsfelder investieren. Wir wollen bei den großen Zukunftsthemen – also bei Digitalisierung, Elektromobilität und Mobilitätsdienstleistungen – ganz vorne mit dabei sein. Mit dem Effizienzprogramm verschaffen wir uns den nötigen finanziellen Spielraum für diese Zukunftsinvestitionen. Das Ganze ist also Teil einer großen Wachstums- und Zukunftsoffensive.

Das Effizienzprogramm der Marke Volkswagen wurde vor einem Jahr gestartet. Warum soll es nun noch einmal intensiviert werden?
Mit der Diesel-Thematik hat sich der Druck deutlich erhöht. Die Marke Volkswagen muss die Kosten hieraus praktisch komplett alleine schultern. Im dritten Quartal 2015 mussten bereits rund 6,7 Milliarden Euro für die Nachbesserungsmaßnahmen der betroffenen Fahrzeuge zurückgestellt werden. Zudem drohen Strafzahlungen und Schadensersatzklagen. Sie sehen: Wir können nicht einfach so weitermachen wie bisher. Wir müssen jetzt aktiv werden und mehr denn je die Zukunft unserer Marke absichern.

Was hat sich denn im Vergleich zu früher in der Automobilbranche verändert?


Vorstandsvorsitzender der Marke Volkswagen Herbert Diess: „Mit dem Können und der Erfahrung unserer Führungskräfte und Mitarbeiter werden wir diese Krise bewältigen.“

Unsere Branche steht an der Schwelle zu einer großen Transformation. In den kommenden 15 bis 20 Jahren wird sich unser Bild vom Automobil grundlegender verändern als jemals zuvor. Das Auto von morgen ist digital, voll vernetzt und elektrisch. Dienstleistungen und Services gewinnen an Bedeutung. In diesem Zuge werden auch neue Wettbewerber aus der IT-Industrie in unser Geschäft drängen. Die Marke Volkswagen muss diesen Wandel mit Mut, Kreativität und Begeisterung angehen. Dafür werden wir in den kommenden Monaten wichtige Weichen stellen.

Bis 2017 will die Marke Volkswagen Pkw einen Ergebniseffekt von fünf Milliarden Euro pro Jahr schaffen. Wie soll dieses gewaltige Ziel erreicht werden?
Zunächst: Das Effizienzprogramm zeigt bereits Wirkung. In vielen Bereichen werden die ersten Verbesserungsmöglichkeiten umgesetzt. Für das laufende Jahr rechnen wir mit einem positiven Effekt von immerhin rund einer Milliarde Euro. Aber: Das reicht natürlich nicht. Wir drehen deshalb jeden Stein im Unternehmen um und stellen auch alle geplanten Investitionen noch einmal auf den Prüfstand. Was nicht zwingend nötig ist, wird gestrichen oder geschoben. Denn neben den Effekten des Effizienzprogramms wollen wir auch die Investitionsplanung nach unten anpassen. Dabei wollen wir auf Investitionen von rund einer Milliarde Euro verzichten. Auf dem Prüfstand stehen insbesondere Investitionen, die keine Rendite erzielen oder unsere Leistungsfähigkeit, Produktivität oder Innovationskraft nicht deutlich verbessern.

Was bedeutet das Effizienzprogramm der Marke für den Konzern?
Im gesamten Konzern geht es darum, dass wir effizienter und schlanker werden. Mein Anspruch ist aber, dass die Marke Volkswagen hier mit entschlossenem Vorbild vorangeht. Volkswagen ist eine starke, stolze und innovative Marke, die vollkommen zu Recht im Zentrum des Konzerns steht. Mit dem Effizienzprogramm können wir diese Führungsrolle nachdrücklich untermauern. Und ich bin überzeugt, dass wir das auch schaffen.

Warum wurde zur Steuerung des Effizienz­programms ein neues Gremium eingesetzt, das von Stephan Sevenich geleitet wird?
Es gibt kein neues Gremium, sondern ein Team um Herrn Sevenich, das das Effizienzprogramm entschlossen vorantreibt.

Ist das Effizienzprogramm mehr als ein Kostensenkungsprogramm?
Ja, auf jeden Fall. Es geht uns dabei um eine langfristige Wachstums- und Zukunftsstrategie. Wir können die Innovationen für die Zukunft der Marke Volkswagen nur erfolgreich umsetzen, wenn wir unser Effizienzprogramm zum Erfolg führen. Es geht letztlich auch erst in zweiter Linie um Kosten. Zunächst geht es um bessere Prozesse – zum Beispiel Anläufe, Machbarkeitstreue, Fertigungsprozesse und schlanke, schnelle, unbürokratische Entscheidungen. Dann sinken die Kosten von alleine.

Alle sollen mitmachen, aber was kann die Belegschaft tun?
Arbeiten Sie jeden Tag mit der größten Sorgfalt und bauen Sie weiter tolle Autos für unsere Kunden. Arbeiten und entscheiden Sie so, als ob Volkswagen ihr eigenes Unternehmen wäre. Dann machen Sie es sicher richtig. Volkswagen braucht Sie und Ihren vollen Einsatz – jetzt mehr denn je.

Was sehen Sie als die großen Herausforderungen für Volkswagen?
Die Marke durchlebt eine äußerst schwere Phase. Wir haben nicht nur bei unseren Kunden, sondern auch in der Öffentlichkeit viel Glaubwürdigkeit verloren. Wir müssen jetzt die Fehler korrigieren und unseren Kunden wieder Sicherheit geben. Vor uns liegt ein langer, schwieriger Weg. Lassen Sie uns sehr konzentriert zusammenarbeiten, um die langfristige Zukunft der Marke und des gesamten Konzerns zu sichern. Das wird für uns alle ein hartes Stück Arbeit. Trotzdem bin ich überzeugt: Mit der Substanz von Volkswagen, mit dem Können und der Erfahrung unserer Führungskräfte und Mitarbeiter werden wir diese Krise bewältigen. Und letztlich gestärkt aus ihr hervorgehen.

Hand aufs Herz – sind die Milliardeneffekte und der angepeilte Kulturwandel in so kurzer Frist wirklich zu schaffen?
Wenn wir das wollen, ja!