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Schleppen, schrauben, bohren: Volkswagen Mitarbeiter verwandelten eine Sporthalle in eine Flüchtlingsunterkunft
Die Liste war lang, die Zeit knapp: Einen neuen Stromanschluss installieren, Toiletten renovieren, Betten montieren und Sichtschutzwände aufstellen – das waren nur einige Punkte auf der Auftragsliste von Bernhard Lange. Der Volkswagen Mitarbeiter aus der Qualitätssicherung ist ehrenamtlicher Malteser und leitete die Einrichtung der neuen Notunterkunft Beuthner Straße im Wolfsburger Stadtteil Wohltberg.

Viele Einzelteile und Schrauben: v.l. Zina Attia, Ute Orzinski und Volkswagen Mitarbeiterin Berit Seipold schrauben Betten zusammen.

Wo noch bis vor einigen Tagen die Sportler des TV Jahn trainierten, entstand in nur 24 Stunden eine Unterkunft für 75 Asylsuchende. „In kurzer Zeit schaffen wir hier in Wolfsburg für die ankommenden Flüchtlinge mehrere Notunterkünfte“, berichtete Michael Sothmann, Flüchtlingskoordinator der Stadt Wolfsburg, der den Aufbau begleitete. Neben Volkswagen Mitarbeiter Lange waren weitere 19 Kollegen, alle ausgerüstet mit einem Akkuschrauber, seit dem frühen Morgen auf den Beinen. Die Ehrenamtler halfen unter anderem beim Aufbau der doppelgeschossigen Betten, in denen schon tags darauf die Flüchtlinge ihre erste Nacht in Wolfsburg verbrachten.

Von der Manufaktur zur Kettenmontage

Nach wochenlanger Odyssee durch Europa war es das erste richtige Bett, in dem die Flüchtlinge schliefen. Sie kamen zum Beispiel über die österreichische Grenze nach Deutschland und wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft in Wolfsburg in einer Notunterkunft in der Dieselstraße registriert und von Ärzten untersucht.
Die Bettgestelle wurden in Einzelteilen, in die Sporthalle geliefert. „Wir sind von der Manufaktur zur Kettenmontage übergegangen, zu einer Art industriellen Fertigung der Betten. Wir haben dazu kleine Fertigungsinseln geschaffen“, beschrieb Berit Seipold das geschäftige Treiben in der Halle und reichte ihrer Kollegin zwei Schrauben aus einer Hosentasche. Seibold arbeitet im Applikation Support der IT bei Volkswagen. Zwei bis drei Betten stehen in kleinen Parzellen in der Halle, die durch Sichtschutzwände voneinander abgetrennt sind.


Nach dem Schleppen bereiten Moritz Schäfer (links), Controller bei Volkswagen, und Kim Muckelbauer den Aufbau der Gestelle vor.

Volkswagen Mitarbeiter Shang Xu (links) und Tim Buchholz tragen die Bettgestelle in die Sporthalle.

Für den Aufbau dieser Schlafeinheiten sorgte unter anderem Shang Xu, Mitarbeiter aus der Konzernbeschaffung. Er ist einem Aufruf über einen E-Mail-Verteiler gefolgt: „Für viele ehrenamtliche Helfer ist es normal, jeden Samstag um 8 Uhr irgendwo zu helfen. Dieses Engagement motiviert mich sehr“, stellt er fest und ergänzt: „Am besten macht man die erste Aktion mit zwei Freunden oder Kollegen zusammen. So ist die Hürde geringer und die Motivation umso größer.“ Den ganzen Morgen über hat er die Kartons mit den Betten aus dem Erdgeschoss in die erste Etage geschafft. Ein ziemlicher Kraftakt.

Die Halle hat Lange nach den Aufbauarbeiten einem hauptamtlichen Mitarbeiter der Malteser übergeben. Schon bald werden hier ehrenamtliche Helfer regelmäßig ein und ausgehen, um beispielsweise mit den Kindern zu spielen und Deutsch zu unterrichten. Lange macht trotz der Tage voller kleiner und großer Herausforderungen einen gelassenen Eindruck. Er weiß, dass er sich auf seine Ehrenamtlichen verlassen kann: „Die sind alle hoch motiviert. Mit denen können Sie Bäume ausreißen“. jg

INFO

Interessierte können sich in der Registratur des Malteser Hilfsdienstes in der Dieselstraße 46 in Wolfsburg als Helfer erfassen lassen. Dort werden – je nach Bedarf und persönlichen Wünschen – Tätigkeiten in den Flüchtlingsunterkünften vermittelt. Die Ehrenamtlichen werden anschließend in Dienstpläne eingeteilt, damit eine durchgehende und zuverlässige Betreuung der Flüchtlinge organisiert werden kann.
Auf den Seiten www.vwag-hilft.de oder www.volkswagen-hilft.de finden Mitarbeiter über eine Suchfunktion Möglichkeiten, wie sie rund um die Volkswagen Standorte in Deutschland Flüchtlingen ehrenamtlich helfen können. Auf diesen Internetseiten finden Sie auch Berichte, Fotos und Videos über weitere Hilfsaktionen von Unternehmen, Mitarbeitern und Betriebsrat.