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Vorstandsvorsitzender Müller stellt fünf Prioritäten vor.

 

Wie kann Volkswagen die aktuelle Krise überwinden und die richtigen Weichen für die Zukunft stellen?
Volkswagen hat einen klaren Plan, wie das Unternehmen wieder zurück in die Erfolgsspur kommt. Der Vorstandsvorsitzende des Volkswagen Konzerns Matthias Müller hat dazu fünf Prioritäten für die kommenden Monate vorgestellt:

  • Unseren Kunden helfen, das heißt möglichst schnell effektive technische Lösungen für die betroffenen Fahrzeuge bereitstellen.
  • Schonungslos aufklären, was passiert ist, und die richtigen Lehren daraus ziehen.
  • Die neue Konzernstruktur umsetzen, die auf allen Ebenen mehr Eigenständigkeit und unternehmerische Verantwortung ermöglicht.
  • Eine neue Denkweise etablieren, damit der strukturelle Wandel auch mit einem kulturellen Wandel einhergeht.
  • Eine neue Zielsetzung erarbeiten und unsere Strategie in Richtung 2025 weiterentwickeln.

Wann werden die technischen Lösungen vorliegen, mit denen wir den betroffenen Kunden wirklich helfen können?
Unsere Ingenieure arbeiten intensiv daran. Das Ganze ist wesentlich komplexer als viele meinen: Die technischen Lösungen können sowohl Software- als auch Hardware-Maßnahmen umfassen, sie werden zudem für jede betroffene Baureihe und jedes betroffene Modelljahr separat entwickelt und werden den zuständigen Behörden vorgestellt. Dabei gilt: Unser Ziel ist es, optimale Lösungen zu entwickeln. Das sind wir unseren Kunden schuldig und das erwarten auch die zuständigen Behörden von uns. Deshalb geht Sorgfalt eindeutig vor Tempo. Wir rechnen aber damit, dass wir ab Januar 2016 mit der Nachbesserung der Fahrzeuge beginnen können – und zwar kostenlos für unsere Kunden.

Wann werden verlässliche Ergebnisse der Aufklärung vorliegen?
Die Aufklärung läuft auf Hochtouren. Die ­internationale Anwaltskanzlei Jones Day führt eine unabhängige Untersuchung durch. Zudem dreht auch unsere interne Revision jeden Stein um, unterstützt von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. Aufsichtsrat und Vorstand setzen alles daran, die ganze Wahrheit herauszufinden und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Allerdings wird es voraussichtlich einige Monate dauern, bis verlässliche und endgültige Ergebnisse vorliegen. Denn auch hier gilt: Gründlichkeit geht vor Geschwindigkeit. Eine umfassende Aufklärung ist auch Voraussetzung, um die richtigen Lehren ziehen zu können. Ein wichtiges Signal ist die Berufung der ehemaligen Verfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt zum Vorstandsmitglied für Integrität und Recht.

Wie wird sich die Konzernstruktur konkret ändern?
Der Aufsichtsrat hat die neue Konzernstruktur bereits Ende September beschlossen. Sie ist das Ergebnis langer, gründlicher Überlegungen und unsere Antwort auf die neuen Dimensionen, in die der Volkswagen Konzern in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Im Kern zielt die neue Struktur auf mehr dezentrale Verantwortung, mehr unternehmerischen Freiraum und mehr Eigenständigkeit für Marken und Regionen. Der Konzernvorstand konzentriert sich auf die übergeordnete Strategie und die großen Zukunftsthemen, die alle Marken betreffen – etwa die Digitalisierung. Wir werden zudem Gremien, Strukturen und Abläufe im Konzern deutlich straffen. So schaffen wir Schritt für Schritt ein schnelleres, schlankeres und moderneres Volkswagen.

Wie soll sich die Unternehmenskultur bei Volkswagen ändern?
Zunächst: Die Unternehmenskultur von Volkswagen hat viele Aspekte, auf die wir stolz sein können und die wir bewahren werden. Dazu zählen das permanente Streben nach Qualität und Perfektion, das große Engagement der Belegschaft, der ausgeprägte Sinn für gesellschaftliche Verantwortung und die Mitbestimmung. Veränderungsbedarf gibt es in der Kommunikation untereinander, im Führungsverständnis und im konstruktiven Umgang mit Problemen und Fehlern. Volkswagen soll künftig noch mehr für Offenheit und Kooperation, für Unternehmertum, Mut und Kreativität stehen. Einen solchen Wandel kann man nicht anordnen, sondern er muss von allen gelebt und organisatorisch begleitet werden. Dieser Prozess wird einige Zeit in Anspruch nehmen.

Der Wandel von Unternehmensstrukturen und Unternehmenskultur ist eine gewaltige Herausforderung. Warum soll das bei Volkswagen gelingen?
Vor uns liegt ohne Zweifel ein langer, harter Weg, auf dem es auch zu Rückschlägen kommen kann. Trotzdem können wir mit Zuversicht nach vorne blicken: Volkswagen besitzt viele unbestrittene Stärken – von unseren Fahrzeugen und starken Marken bis zur hohen Finanzkraft. Zudem haben die vergangenen Wochen bewiesen, dass Volkswagen über einen wohl einmaligen Teamgeist verfügt. Und was entscheidend ist: Überall im Konzern ist in diesen Tagen der Wunsch nach grundlegenden Veränderungen spürbar. Diese Aufbruchsstimmung können und werden wir nutzen.

Bei Volkswagen muss jetzt gespart werden. Was heißt das konkret?
Sind Arbeitsplätze in Gefahr?
Natürlich müssen wir jetzt Vorsorge treffen: Indem wir alle geplanten Investitionen auf den Prüfstand stellen werden, indem wir Projekte streichen oder schieben, die nicht zwingend nötig sind, und indem wir das laufende Effizienzprogramm nachjustieren. Eines steht aber fest: Wir werden alles daran setzen, dass Volkswagen auch weiterhin für gute und sichere Arbeitsplätze steht.

DER VOLKSWAGEN KONZERN IN ZAHLEN