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25 Jahre Wiedervereinigung: Der Polo-Pionier Werner Kazuschke baute 1990 die Montage in Mosel auf
„Unser Mann in Mosel“ lautet die Überschrift in der „autogramm“-Ausgabe, die kurz nach dem Tag der Deutschen Einheit im Oktober 1990 erscheint. Im Mittelpunkt: Werner Kazuschke, damals 48 Jahre alt. Der Meister aus Wolfsburg wurde in das neue Bundesland Sachsen entsandt, um in „Mosel 1“, dem damaligen Trabbi-Werk, die Polo-Fertigung aufzubauen und auf 150 Einheiten am Tag hochzufahren. „autogramm“ traf den Polo-Pionier 25 Jahre nach der Wende und Wiedervereinigung.


Werner Kazuschke zeigt stolz auf den „autogramm“-Artikel „Unser Mann in Mosel“, der wenige Tage nach dem Tag der Deutschen Einheit 1990 erschien.

Kazuschke bringt für den „Mosel 1“-Auftrag beste Voraussetzungen mit. Damals arbeitet er bereits über 13 Jahre in der Polo-Montage in Halle 10 im Wolfsburger Werk und trägt die Verantwortung für 184 Mitarbeiter.
Noch etwas kommt hinzu: Nicht zum ersten Mal folgt Kazuschke dem Polo. Auch als 1984 die Fertigung der zweiten Generation aus Wolfsburg ins spanische Pamplona verlagert wird, ist das Know-how des Experten gefragt. Von einem Tag auf den anderen geht es los. Spanisch lernt der Meister aus Wolfsburg in einem Crashkurs. Sein Rückblick auf 13 Monate in Pamplona: „Es war nicht einfach. Aber mit den sechs Kollegen meiner Polo-Mannschaft gelang es dann doch, die Fertigung mit guter Qualität in Gang zu bringen.“
Die Wiedervereinigung im Oktober 1990 erlebt Kazuschke in Mosel in Sachsen – wieder auf Polo-Mission. Fünf Mitarbeiter aus Wolfsburg begleiten ihn, auch sie echte Pioniere: „Wir haben hier von Grund auf erst einmal alles festgelegt, wie überhaupt ein Auto gebaut wird“, erzählt Kazuschke.

Mit seinem Polo-Team organisiert er im Werk „­Mosel 1“ die Umstellung vom Trabbi zum Polo. Das Werk gehört zur Sächsischen Automobilbau GmbH, die von der Volks­wagen AG und der Sachsenring GmbH gegründet wurde. Die Gesellschaft montiert Polo-Modelle bis zum Anlauf des Golf, der schließlich 1994 erfolgt.
Die Polo-Fertigung in „Mosel 1“ verfährt in kleinen Schritten. Trabbi und Polo laufen am Anfang Stoßstange an Stoßstange. In der Serie ist da zunächst jedes 15. Fahrzeug ein Polo, dann jedes zehnte, bis der Trabbi schließlich „ausgeschlichen“ ist.
Großer Auftakt für diese Art der Doppel-Montage ist das Jubiläum im Mai 1990: „Mosel 1“ feiert den Bandablauf des dreimillionsten Trabbi und gleichzeitig den Beginn der Polo-Fertigung.


Erinnerungsstücke aus Sachsen – ein Wimpel der Sachsenring GmbH, ein Trabbi als Modellauto und ein VW-Aufnäher.

Als erster Volkswagen läuft da ein alpinweißer Polo mit 40 kW (55 PS) vom Band. Er ist der Erste von insgesamt 17.978 Polo aus Mosel.
Die Deutsche Einheit feiern Kazuschke und seine Volkswagen Mannschaft mit ehemaligen DDR-Bürgern in einem Partykeller in Mosel. Der Meister erinnert sich: „Wir waren gerührt. Aber die hatten Tränen in den Augen. Sie waren so gerührt, weil endlich die Last, die sie 40 Jahre lang gedrückt hatte, weg war.“ Wenig später kehrt der Polo-Pionier nach Wolfsburg zurück, wieder in die Halle 10, die ehemalige Polo-Halle, und wird zum Technischen Sachbearbeiter befördert.
Erst Wolfsburg, dann Pamplona, Mosel und wieder Wolfsburg – fast immer war Kazuschke, wo der große Kleine in die Serie ging. Wenige Jahre vor dem Ruhestand wechselt er in die Halle 54 zum Golf. „Das war meine letzte Station“, sagt Kazuschke nach 41 bewegten Jahren bei Volkswagen und fast 25 Jahren beim Polo. Seine Verbundenheit mit Volkswagen ist nach wie vor stark. Im Keller seines Hauses hängt der alte VW-Meisterkittel noch gut verpackt im Schrank. ds