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Christian Träsch (28) steht seit mehr als vier Jahren in Diensten des VfL Wolfsburg. Der Defensivspezialist und zehnmalige Nationalspieler spricht im „autogramm“-Interview über Höhen und Tiefen seiner Karriere als Fußball-Profi, seine Zukunftspläne im Ausland und die Verbundenheit mit seiner Heimatstadt Ingolstadt.


 

Herr Träsch, Sie spielen schon seit fast vier­einhalb Jahren beim VfL Wolfsburg und haben Ihren Vertrag sogar bis 2018 verlängert. Warum?
Ich fühle mich sehr wohl hier in Wolfsburg und das gilt auch für meine Frau und unsere kleine Tochter. Dieser Wohlfühlfaktor hat den Ausschlag gegeben für die Vertragsverlängerung. Außerdem sind wir sportlich mit dem VfL auf einem guten Weg und da angekommen, wo wir immer hinwollten: oben!

Zunächst lief es für Sie nicht, als Sie zum VfL gekommen sind. Sie wurden auf Anhieb Kapitän und mussten die Binde dann wieder abgeben. Mit einigen Jahren Abstand: Woran lag es, dass zu Anfang die schlechten Tage überwogen? Die erste Saison beim VfL lief für mich persönlich ganz gut, in der Rückschau wird das oft falsch widergegeben. Es lief aber nicht für die Mannschaft. Felix Magath hatte mir die Kapitänsbinde übertragen, als ich gerade eine Woche in Wolfsburg war. So ein ehrenvolles Amt lehnt man als 23-jähriger Fußball-Profi nicht ab. Im Nachhinein war das ein Fehler, denn die schlechten Leistungen der Mannschaft wurden damals oft an meiner Person festgemacht. Mit der Zeit wird man aber gelassener, wenn man Höhen und Tiefen miterlebt hat. Man muss mit dem einen oder anderen Rückschlag in seiner Karriere einfach rechnen.



Premiere im Passat mit Plug-In-Hybrid: Christian Träsch saß zum ersten Mal hinter dem Lenkrad eines Passat Variant GTE 1) und war begeistert vom kraftvollen Anzug des Plug-In-Antriebs.


Dynamik an der Außenlinie: Christian Träsch ist einer der Leistungsträger des VfL Wolfsburg in dieser Bundesliga-Saison.

Woran liegt es, dass Sie jetzt wieder so stark sind?
Wenn man Spaß an der Arbeit hat, geht vieles leichter. Ich komme jeden Tag gern hierher zum Training oder zu anderen Verpflichtungen, denn wir sind eine Supermannschaft, in der es Freude macht, Fußball zu spielen.

Geboren in Ingolstadt, haben Sie mit vier Jahren auch in Ingolstadt mit dem Fußball begonnen. Der FC spielt heute sogar in der Bundesliga. Wie sehen Sie die Entwicklung der „Schanzer“?
Über viele Jahre war es der Traum der Ingolstädter, in der Bundesliga zu spielen. Das haben sie nach einer überragenden Saison in der 2. Bundesliga geschafft. Meine Familie und unsere Freunde, die noch in Ingolstadt leben, haben Spiel für Spiel mitgefiebert. Meine Frau und ich auch.

Der Aufstieg ist sensationell für die Stadt und den Sport in meiner Heimatstadt. Fußball ist dort jetzt das zweite Sport-Standbein neben Eishockey. Die „Schanzer“ haben ein eingespieltes Team und sich in den bisherigen Spielen gut geschlagen. Sie sind auf einem guten Weg, das Saisonziel Klassenerhalt zu schaffen.

Ihre Karriere führte Sie dann nach Stuttgart, wo Sie beim VfB Ihr Bundesligadebüt feierten. Sie waren 20 Jahre alt, es ging gegen Schalke 04. Erinnern Sie sich noch?
Klar! Trainer in Stuttgart war damals Armin Veh. Er hatte mich gegen Schalke auf die linke Außenbahn in der Abwehr aufgestellt. Ich habe meine Sache ordentlich gemacht, obwohl wir 1:4 verloren haben. Danach war ich acht Monate wieder bei den Amateuren. Armin Veh hat mich dann aber später wieder in die erste Mannschaft geholt und ich konnte mich dann auf meiner angestammten rechten Seite als Verteidiger behaupten.



 

Wer war auf dem Weg in die höchste deutsche Spielklasse für Sie von besonderer Bedeutung?
Mein Mentor und Förderer war Wolfgang Schellenberg, der heute die Nachwuchsarbeit beim TSV München 1860 leitet. Er hat mich entdeckt und mich nach München ins Fußballinternat geholt. Da war ich 15 Jahre alt, und wir mussten lernen, früh selbstständig zu sein. Dazu gehörten zum Beispiel auch das Wäschewaschen und Kochen, das wir selbst übernehmen mussten. In München hatte ich eine schöne Zeit – übrigens zusammen mit meinem heutigen Mannschaftskameraden Marcel Schäfer.

Welche Vorbilder haben Sie?
Den französischen Mittelfeldspieler Patrick Vieira. Er hat beim FC Arsenal, bei Juventus ­Turin, Inter Mailand und in der französischen Nationalmannschaft einen sehr starken Sechser gespielt, immer mit viel Wucht und körperlicher Präsenz. Das hat mir sehr imponiert.

Welche Stärken muss ein Defensivspieler heute mitbringen?
Früher kam es vor allem auf die Robustheit eines Außenverteidigers an. Heute ist das ganz anders: Ohne eine gute Technik geht nichts. Denn ein Außenverteidiger hat viele Ballkontakte und kurbelt das Offensivspiel mit an.

Auf den VfB Stuttgart folgte 2011 der VfL Wolfsburg, mit dem Sie Ihre größten Erfolge feierten. Warum haben Sie sich damals für den VfL entschieden?
Beim VfB Stuttgart lief es nicht rund und ich sollte unter Bruno Labbadia auch nicht mehr im defensiven Mittelfeld spielen, sondern als Verteidiger. Deshalb waren meine Frau und ich der Meinung, es sei Zeit für etwas Neues, auch wenn ich in Stuttgart eine schöne Zeit hatte. Aber der VfL bot damals die besseren Perspektiven.

Aktuell ist die rechte Seite des VfL mit Ihnen, Vieirinha, Daniel Caligiuri und Sebastian Jung enorm gut besetzt. Ist dieses Quartett eines der besten in der Bundesliga?
Unsere rechte Seite ist wirklich gut besetzt, aber nicht nur die: Unser gesamter Kader hat viel Qualität. Darauf kommt es an: Die Mannschaft muss funktionieren und ein Einzelspieler sich ins Team einordnen. Dann feiert man Erfolge wie wir Ende der vergangenen Saison, als wir den DFB-Pokal gewonnen haben.

Im Mai 2009 standen Sie zum ersten Mal im Kader der Nationalmannschaft und gaben gegen die Vereinigten Arabischen Emirate ihr Länderspieldebüt. Auf dem Weg zur WM in Südafrika aber knickten Sie in einem Trainingsspiel um und die WM war gelaufen. Welche Lehren haben Sie für sich daraus gezogen?
Im ersten Moment ist da für mich eine kleine Welt zusammengebrochen. Der WM-Traum war in einem einzigen Augenblick geplatzt. Welcher Fußball-Pprofi träumt nicht davon, bei einer WM für sein Land zu spielen? Ganz vergessen kann man einen solchen Rückschlag nicht. Meine Familie hat mir damals sehr geholfen. Aber auch solche Rückschläge gehören zu ­einer Profi-Karriere dazu.

Ihr Name wurde in den vergangenen Wochen immer wieder genannt, wenn es um den rechten Außenverteidigerposten in der Natio­nalmannschaft geht. Wie sehen Sie Ihre Zukunft im Team von Bundestrainer Joachim Löw?
Ich habe vom Bundestrainer bislang nichts gehört, darum mache ich mir auch keinen Kopf. Mein Fokus ist klar: Ich konzentriere mich voll auf den VfL, denn wir haben bis zum Beginn der Winterpause noch wichtige Spiele vor uns.

Ist es ein Zufall, dass Sie in der Nationalmannschaft wie beim VfL die Rückennummer 15 tragen?
Das ist in der Tat ein Zufall. Manchmal glaube ich aber, dass diese Rückennummer ein gutes Zeichen ist und mir bisher Glück gebracht hat.

Was unternehmen Sie in ihrer Freizeit?
Meine freie Zeit gehört meiner Familie. Ich unternehme sehr viel mit meiner kleinen Tochter. Sie ist erst zweieinhalb Jahre alt. Mit meiner Frau gehe ich oft ins Kino. Und ich bin ein großer NBA-Fan. Zu Hause habe ich einen Basketballkorb und werfe dort gelegentlich den einen oder anderen Korb. Musik höre ich auch sehr gern, vor allem R&B (Rhythm and Blues) und Black Music.

Mit Kevin De Bruyne und Ivan Perisic sind kurz vor Schließen der Transferliste zwei Wolfsburger Profis ins Ausland gewechselt. Ist das irgendwann auch Ihr Ziel?
Ins Ausland zu wechseln ist für mich jetzt keine Option. Ich kann mir aber vorstellen, vielleicht später für ein oder zwei Jahre in den USA zu spielen. Das ist ein kleiner Traum, den ich mit meinem Mannschaftskameraden Marcel Schäfer teile. Für meine Tochter wäre ein Aufenthalt dort eine gute Chance, ein anderes Land und die englische Sprache kennenzulernen.

Sind Sie, wie manche ihrer Mannschaftskollegen auch, ein Auto-Freak?
Ich habe einen Oldtimer in der Garage und fahre gern Auto. Kein Wunder, ich stamme aus einer Familie von „Audianern“. Mein Vater und Schwiegervater arbeiten bei Audi in Ingolstadt. Daher fühle ich mich dieser Marke sehr verbunden. Mein Golf R von Volkswagen gefällt mir allerdings auch sehr und macht viel Spaß. Vielleicht haben Sie mein Auto sogar schon gesehen? Es ist sehr auffällig in Lila lackiert. Das ist die Lieblingsfarbe meiner Tochter.

Das Interview führten Dirk Schlinkert und Marc Rotermund.

1) Kraftstoffverbrauch Passat GTE in l/100 km: 1,6 (kombiniert); Stromverbrauch in kWh/100 km: 12,2 (kombiniert); CO2-Emission in g/km: 37 (kombiniert), Effizienzklasse: A+