HomeILoginIHilfeIDialog
autogramm
Titel
Schrift:schrift_plusschrift_minus
Der Osnabrücker Mitarbeiter Cemal Yazar und sein findiger Verbesserungsvorschlag zur Einzelteil-Qualitätskontrolle
Oft ist Cemal Yazar an einem der Plakate vorbeigelaufen, die im Werk von Volkswagen Osnabrück hängen. Auf diesen steht der Hinweis, dass man sich in Wolfsburg auf Ideen made in Osnabrück freue. Das ließ sich der Mitarbeiter aus der Qualitätskontrolle im Presswerk nicht zwei Mal sagen. Schon lange suchte er eine Alternative für die Schleif-Pads, die bei der Einzelteilkontrolle von Karosseriebauteilen im Presswerk verwendet werden.


Cemal Yazar hat mit seiner Idee nachhaltig Kosten gesenkt und Müll reduziert.

Egal, ob Stahl oder Aluminium, es geht um alle Fahrzeugbauteile, die im Minutentakt die Pressen verlassen. Deren Oberflächen müssen eine hundertprozentige Reinheit und Glätte aufweisen, damit der später folgende Lackierprozess den hohen Qualitätsansprüchen standhält. „Selbst wenn ein Haar in einer der Pressen wäre, würde sich das bei unserer Qualitätskontrolle abzeichnen“, erklärt Yazar.
Für diese Begutachtung der Oberflächen nutzten er und seine Kollegen bisher Schaumstoffpads, die auf der Oberseite einem üblichen Schleifpapier ähneln: „Durch das Anschleifen der Pressteile würden wir selbst kleinste Pickel, Riefen und Kratzer aufspüren. Würden wir so eine Problemstelle an einem Bauteil entdecken, müssten wir sofort zum Anlagenführer gehen, weil die Presse kontrolliert und gereinigt werden müsste.“

Neben der Schleifmethode führen die Qualitätsexperten im Presswerk eine Sichtprüfung unter ultrahellem Licht durch, analysieren die exakten Maße und Blechstärken und bearbeiten die Kontrollbauteile zudem mit Abziehsteinen und Kreiden. Das Anschleifen mit den Schleifpapierpads zählt aber zu den wichtigsten Methoden. „Mich hat immer genervt, wie schnell diese Pads verschleißen“, sagt der in Deutschland geborene Mitarbeiter, dessen Familie aus der Türkei stammt. Er ergänzt: „So ein Schleifpapier ist nach einmaliger Benutzung hinüber. Dadurch fällt auch relativ viel Müll an.“ Denn nach jeder Kontrolle mussten die Pads bisher entsorgt werden, weil der Abrieb des Pressteiles haften blieb.

Die entscheidende Idee lag irgendwann vor der Nase des 36-Jährigen – in der Audit-Abteilung. „Die Kollegen dort nutzen runde Gitterpads aus Metall, allerdings für ganz andere Zwecke. So ein Pad lag zufällig auf dem Besprechungstisch und ich habe gefragt, ob ich es mitnehmen darf“, erinnert sich der Osnabrücker. Neugierig startete er mit diesem Experimente. Das Ergebnis war ein Volltreffer. „Das neue runde Gitterpad ist nicht nur handlicher und flexibler. Der größte Vorteil ist, dass es nahezu nicht verschleißt.“

Genauso begeistert wie der Mitarbeiter war sein Meister Nail Konya. „Wir haben herausgefunden, dass ein Karton der alten Schleifpads mehr als 40 Euro kostet. Etwa einen dieser Kartons benötigen wir normalerweise pro Woche hier im Presswerk. Im Gegensatz dazu hält ein einziges der neuen Gitterschleifpads bis zu ein Jahr.“
Kosteneinsparung, Müllreduktion und Nachhaltigkeit – jetzt war das Ganze eine Sache für das Ideenmanagement. Schließlich sind alle Beschäftigten von Volkswagen Osnabrück seit Juni aufgefordert, Verbesserungsvorschläge zu Produkten und Abläufen einzureichen. Wie gut das funktioniert, zeigt das Beispiel von Cemal Yazar. ao

INFOBOX

In den ersten drei Monaten seit dem Start des Ideenmanagements bei der Volkswagen Osnabrück GmbH haben die Mitarbeiter 270 Verbesserungsideen zu Produkten und Abläufen eingereicht. Peter Dettmer, Koordinator Ideenmanagement, sagt: „Die Vielzahl der Ideen zeigt, dass sich die Kolleginnen und Kollegen intensiv mit Verbesserungsvorschlägen einbringen.“