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Vor wenigen Wochen gab es ein konzernweites Arbeitsschutzaudit in Wolfsburg. Über das Ergebnis sprach Ina Mann, Leiterin der Arbeits­sicher­heit, mit „autogramm“. Außerdem verriet sie, welche Abteilung sich in Wolfsburg besonders um den Arbeitsschutz verdient gemacht hat und wie die neue Schutz- und Arbeitskleidung bei den Kollegen ankommt.


Ein Parcours voller Leitern: (von links) Hans-Joachim Hodel, Timo Teichert und Michael Maertens haben ihn aus der Taufe gehoben und tragen dazu bei, die Arbeitssicherheit im Werk Wolfsburg zu erhöhen.

Frau Mann, wie hat der Standort Wolfsburg beim konzernweiten Arbeitsschutzaudit abgeschnitten?
Mit einem positiven Ergebnis, denn das Thema Arbeitsschutz genießt einen hohen Stellenwert an unserem Standort. Die Auditoren haben zum Beispiel die Qualifizierung von Führungskräften zum Thema Arbeitssicherheit gelobt und auch unseren jährlichen Arbeitssicherheitspokal, mit dem wir das Thema in den Fokus rücken. Allerdings gibt es auch Handlungsfelder. Vor allem die Verkehrsdichte in den Hallen ist eine Herausforderung. Dort sind auf immer engerem Raum viele Routenzüge, Flurförderfahrzeuge, Gabelstapler und Fahrräder unterwegs. Das birgt Gefahren. Deshalb haben wir in diesem Sommer das Radfahren mit Licht in den Hallen zur Pflicht gemacht und wir sind dabei, immer mehr Fußwege deutlich zu markieren, um die Sicherheit für die Mitarbeiter weiter zu erhöhen.

Wie viele Arbeitsunfälle gibt es denn pro Jahr am Standort Wolfsburg?
2014 gab es 439 Arbeitsunfälle. In diesem Jahr wird sich die Zahl vermutlich auf demselben Niveau bewegen. Positiv ist, dass wir trotz der höher werdenden Verkehrsdichte und der gestiegenen Mitarbeiterzahl am Standort Wolfsburg keine Steigerungen der Unfallzahlen verzeichnen. Das gilt auch für die Zahl der Ausfalltage der von Unfällen betroffenen Mitarbeiter.

Welche ist die häufigste Unfallursache?
Zu mehr als 50 Prozent ist es Unaufmerksamkeit. Das fängt an beim SMS-Schreiben, während man eine Treppe runtergeht, und reicht bis zu einem herumliegenden Kabel einer Bohrmaschine. Deshalb ist uns Prävention wichtig. Wir möchten die Mitarbeiter über Gefahren informieren und sie vor allem auch motivieren, das Thema Arbeitssicherheit aktiv mitzugestalten.


Ina Mann, Leiterin der Arbeitssicherheit am Standort Wolfsburg, testet den Stolperparcours. Sie ist zufrieden, dass die Zahl der Arbeitsunfälle am Standort Wolfsburg trotz steigender Mitarbeiterzahlen stagniert.

Geschieht das denn auch?
Ja, und darauf sind wir stolz. Ein herausragendes, jüngst auch von der Berufsgenossenschaft gelobtes Beispiel stammt von Kollegen aus dem Industrieservice hier im Werk Wolfsburg. Sie hantieren viel mit Leitern und kamen auf die Idee, einen Leiterparcours zu errichten, den sich Kollegen ausleihen können. Dieser Parcours besteht aus unterschiedlichen Anlege- und Stehleitern, aus Tritten und auch aus verschiedenen Untergründen. Er soll dabei helfen, den Blick der Mitarbeiter für Situationen im Arbeitsalltag zu schärfen. Anschaulich können sie sehen und auch selbst ausprobieren, wie Leitern richtig platziert sein müssen, um zum Beispiel nicht wegzurutschen oder nachzugeben. Mit ihrer Idee mit dem Leiterparcours tragen die Kollegen aus dem Industrieservice vielleicht dazu bei, Arbeitsunfälle zu vermeiden. Dafür sagen wir Danke.

„Bewusst gehen, sicher stehen“ – auf Plakatwänden machen Sie zurzeit im Werk Wolfsburg auf ein weiteres Thema zum ­Arbeitsschutz aufmerksam. Warum?

Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle werden mit Blick auf die Häufigkeit und Verletzungsschwere unterschätzt. Dafür wollen wir die Mitarbeiter sensibilisieren. Zu diesem Thema haben wir bereits vor einiger Zeit einen Stolperparcours erstellt, den sich Kollegen ebenfalls ausleihen können. Er besteht aus Rampen, die mit fast allen Fußböden belegt sind, die es in den direkten und indirekten Bereichen im Werk Wolfsburg gibt – angefangen von Fliesen über Teppich und Linoleum bis zu Riffelblechen und Gitterrosten. Diesen Parcours kann man durchschreiten und dabei feststellen, wann und wo Rutsch-, Stolper- oder Sturzgefahr besteht. Ergänzt haben wir den Stolperparcours kürzlich um eine Sprungwaage. Sie misst die Belastung auf Füßen und Knien, wenn man zum Beispiel unsachgemäß vom Gabelstapler steigt. Bei vielen Mitarbeitern entsteht dabei sofort ein Aha-Effekt und sie sagen: „Das habe ich nicht gewusst!“

Was kann ich als einzelner Mitarbeiter zur Arbeitssicherheit im Unternehmen beitragen?

Halten Sie sich an die Regeln und sprechen Sie andere Mitarbeiter auf deren Fehlverhalten an, wenn Sie es beobachten! Klassiker sind das Telefonieren beim Fahrradfahren, das Nicht-Anschnallen im Auto oder auf dem Gabelstapler und zu schnelles Fahren auf dem Werkgelände. Die meisten Ertappten zeigen sich einsichtig.

Vor knapp einem Jahr haben wir hier in „autogramm“ die neue Schutz- und Arbeits­kleidung der Beschäftigten der Volkswagen AG vorgestellt. Wie kommt diese bei den Mitarbeitern im Werk Wolfsburg an?
Man sieht bei uns im Werk immer mehr Kollegen, die die neue Kleidung tragen. Ihr Feedback ist sehr positiv, sie loben besonders den hohen Tragekomfort und das schicke Aussehen. Es wird jetzt noch etwa gut ein halbes Jahr dauern, bis die alte Kleidung verschlissen ist und die meisten Mitarbeiter die neue tragen.

Welchen Schwerpunkt hat sich die Arbeitssicherheit für das Jahr 2016 gelegt?
Auch wir von der Arbeitssicherheit werden immer wieder mit neuen Technologien konfrontiert. Ein Schwerpunkt wird deshalb sein, Mitarbeiter für nicht sichtbare Gefahren zu sensibilieren, zum Beispiel für die Hochvolttechnologie. Außerdem wollen wir sie motivieren und animieren, Arbeitssicherheit selbst mitzugestalten. Die „Erfindung“ des Leiterparcours ist dafür ein hervorragendes Vorbild.

Das Interview führte Marc Rotermund.

INFO

Leiterparcours und Stolperparcours

Ansprechpartner für den Leiterparcours
ist Hans-Joachim Hodel
vom Industrieservice. Er ist unter
der Nummer 196 267 zu erreichen.

Ansprechpartner
für den Stolperparcours
ist Erich Schwarzkopf von der Arbeitssicherheit. Er ist unter
der Nummer 977 859 zu erreichen.