Veteranenfans aus „Down under“: Stephen Muller, Bill Moore und Ray Black (v.l.)
Foto: Simon


Von der Antarktis auf die Autobahn


Australische Oldtimerfreunde verschenken zwei liebevoll restaurierte Volkswagen mit Geschichte

Kennen Sie noch diesen unvergesslichen Käfer-Werbespot? Schwere Schritte stapfen frühmorgens durch unvorstellbar hohen Schnee, ein Garagentor wird mühsam geöffnet und gibt den Blick auf einen dort abgestellten Volkswagen frei. Sofort springt der Motor an, und der kleine Buckel gräbt sich tapfer seinen Weg über verschneite Pisten. „Wenn Sie immer schon mal wissen wollten, wie der Fahrer des Schneepfluges morgens zur Arbeit kommt“ lautete der freche und augenzwinkernde VW-Slogan hierzu. Alles nur PR? Von wegen!
Dass ein fast serienmäßiger Käfer durchaus im Stande war, in einer der wohl lebensfeindlichsten Regionen der Erde absolut zuverlässig seiner Bestimmung nachzufahren, wurde 1963 bewiesen, als das Volkswagenwerk im australischen Melbourne einen rubinroten VW 1200 Export und eine Super-Acht-Kamera auf einen Eisbrecher verlud. Australien – Antarktis? Käfer und Kamera? Eine komische Kombination? Von wegen!
„Ein ganzes Jahr lang hat dieser Käfer die australische Antarktis-Expedition von 1963 begleitet – und maßgeblich unterstützt“, weiß Ray Black. Der australische VW-Veteranenfan besitzt gemeinsam mit seinen Freunden Stephen Muller und Bill Moore etwa 60 historische Volkswagen – und ist kürzlich nach Deutschland gereist.
„Über 1500 Meilen hat der Käfer mit der Nummer ‘Antarctica 1’ damals im ewigen Eis zurückgelegt. Er war das erste Serienfahrzeug, das jemals in der Antarktis fuhr“, erzählt Bill. Der Job des unerschrockenen Käfers war der Kurierdienst zwischen der australischen Mawson Station und dem zehn Meilen entfernten Außenposten Rumdoodle. „Wenn die zwei Mann Besatzung zu ihren zwei- bis dreitägigen Inspektions- und Forschungsfahrten aufbrachen, hatten sie immer Proviant für zehn Tage mit an Bord – falls sie mal stecken blieben. Es ist aber immer alles gut gegangen“, berichtet Stephen. „Leider hat Antarctica 1 nicht überlebt – nach seiner Rückkehr wurde dieser einmalige Wagen in Australien als schnödes Rallye-Auto verheizt.“
Jetzt nehmen Stephen, Ray und Bill Abschied. Von einem rubinroten Käfer mit Rechtslenkung, auf den Türen das Hoheitswappen der „Australian National Antarctic Research Expedition“. Denn die von den drei Australiern liebevoll angefertigte und detailgetreue Replik des legendären Antarktis-Volkswagens bleibt hier in Wolfsburg. Einfach so.
Aber – warum macht man so etwas? Einen Wagen suchen (und binnen 14 Tagen finden!), der wie das Original im Dezember 1962 die Montagebänder in Melbourne verließ, ihn nach der umfangreichen Restaurierung mit Winterreifen, Dachgepäckträger, einem Schneeschutz über dem hinteren Lüftungsgitter sowie mit Voltmeter und Öldruckanzeige ausstatten (das waren 1962/63 die einzigen Antarktis-Extras gegenüber der Serienversion des Käfers) – und ihn dann, nach einer immerhin sechswöchigen Reise im Container, in Wolfsburg zu verschenken? Bill überlegt kurz und antwortet verschmitzt in englisch-deutschem Kauderwelsch: „It was a Schnapsidee!“ „From Antarctica to the Autobahn“ war das Motto der Reise.
Mit im automobilen Handgepäck hatten sie außerdem einen australischen VW Country-Buggy, der nur von 1967 bis 1968 in knapp 1900 Exemplaren entstand. Auch dieses uriges Gesoll seinen Platz im Automuseum finden.
Die Abenteuer von „Antarctica 1“ sind übrigens – dank der erwähnten Super-Acht-Kamera – auf einem eindrucksvollen Video zu bestaunen. Dort sieht man, wie das Auto, das keine Garage bekam und auch keine brauchte, in komplett eingeschneitem Zustand einfach anspringt. Und über die endlos weiße, dauergefrorene Piste davonbraust … -sim



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