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Klaus Bischoff ist Chefdesigner der Marke Volkswagen. „autogramm“ sprach mit dem Diplom-Designer vor allem über den neuen Passat, aber auch, wie man mit Design die Menschen berührt und ans Herz fasst.

 

Herr Bischoff, welche Design-Merkmale kennzeichnen den Passat?
Der Kern der Passat-Identität ist die perfekte Balance aus Funktionalität und Ästhetik, die sich in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat. Beim Passat der neuesten Generation haben wir in beiden Punkten einen Riesensprung gemacht. Das Ziel für uns Designer war es, ihn von der optischen Wahrnehmung in eine neue Klasse zu bringen und ihm in seiner Produkt-Identität den Platz zu verschaffen, der ihm als Marktführer auch zusteht. Ich meine, dies ist uns ganz gut gelungen.

Was ist das Geheimnis des Passat, der bereits seit mehr als vier Jahrzehnten weltweit erfolgreich ist?
Der Passat ist ein Produkt, das in seiner ganzheitlichen Aussage die perfekte Mobilität für den Geschäftsmann und die Familie ist. Er ist ein Allrounder, der in all seinen Eigenschaften perfekt ausbalanciert ist. Kein anderes Fahrzeug seiner Klasse kann ihm – Sie haben es angesprochen – seit 40 Jahren das Wasser reichen. Das ist hohe Kunst. Das Design ist da nur eine wichtige Facette.

Welche sind die anderen?
Konzept, Funktionalität, Präzision und Qualität – und an keinem dieser Punkte gehen wir Kompromisse ein. Deshalb ist der Passat Exzellenz in allen Eigenschaften. Wir haben bei der neuesten Generation wieder die Quadratur des Kreises geschafft. Er ist deutlich eleganter geworden, prestigeträchtiger, flacher, aber auch mit größerem Innenraum – und strahlt so viel mehr Begehrlichkeit aus.


Klaus Bischoff

War der Passat Ihre Aufgabe mit der bisher größten Verantwortung?
Schließlich war die Maßgabe, alles solle neu sein. Das Passat-Projekt war eine riesige Herausforderung für das gesamte Design-Team. Die Limousine und der Variant sind fertig. Jetzt kommen die Derivate wie der CC, der Plug-In-Hybrid und der Alltrack.

 

Darf ein kreativer Kopf wie ein Designer an diese Verantwortung ständig denken? Oder würde ihn das lähmen?
Natürlich müssen wir die Menschen, für die der Erfolg des Fahrzeugs wichtig ist, und die Komplexität der Fertigung immer im Hinterkopf haben. Dennoch müssen wir bei der Konzeptentwicklung zunächst von abstrakten Visionen ausgehen. Wenn man – wie beim Passat – eine hohe Eleganz und Attraktivität schaffen und noch mehr Begehrlichkeit wecken will, muss man als Designer mit Mut und Verve an die Aufgabe gehen. Dann kann der große Wurf gelingen.

Bleistift hinter dem Ohr hervorziehen und eine erste Zeichnung auf ein Blatt Papier bringen – arbeitet so ein Designer, der ein Auto in die achte Generation führen soll?
So oder so ähnlich ist es zumindest am Anfang in der Tat. Ich zum Beispiel zeichne ohnehin ständig. Designen ist vor allem aber eine Teamleistung. Wir entwickeln gemeinsam eine Vision, wie ein Fahrzeug aussehen soll, und dann gestaltet das Team die Entwürfe. Beim Passat dauerte dieser Prozess zweieinhalb bis drei Jahre.

Wie können wir uns den Auswahlprozess in Ihrem Bereich vorstellen?
Beim Passat hat es sich um ein globales Projekt gehandelt. Daran beteiligt waren außer Wolfsburger Designern auch Kollegen aus unseren Designstudios in Potsdam, Kalifornien und von Italdesign. Die Designer bilden Teams aus fünf bis sechs Leuten und treten dann in einen sportlichen Wettbewerb. Eine Art hausgemachte Konkurrenz nach dem Motto „Möge der Beste gewinnen“. Beim neuen Passat zum Beispiel hat sich ein Modell aus Wolfsburg durchgesetzt.

Knackig und elegant sind die Proportionen des neuen Passat: Was sind seine entscheidenden Design-Elemente?
Ganz klar ist es die dynamische Linie in der Seitenwand, die sehr tief eingeprägt ist. Das ist neu in unserer Formensprache. Das Design wird skulpturaler, feiner und sinnlicher und die Kanten sind extrem scharf. Da setzen wir Maßstäbe. Kein anderer Premiumhersteller bringt diese Präzision und Schärfe in die Karosserien. Das Geheimnis dieser skulpturalen Qualität ist, dass die Entwicklung, die Planung und die Fertigung an einem Strang ziehen und simultan vorgehen. Heute erreichen wir Präzision, Eleganz und Qualität, weil jeder im Team mitzieht. Das ist Teil unserer Unternehmenskultur und einer der wesentlichen Schlüssel zum Erfolg.

Immer wieder ist in der Presse von den „atemberaubenden Proportionen“ des Passat die Rede. Was bedeutet das?
Die Arbeit an den Proportionen war von entscheidender Bedeutung. Der neue Passat ist flacher, breiter, hat kürzere Überhänge und einen langen Radstand – all das zahlt auf den emotionalen Charakter des Passat stark ein. Auch in der Front haben wir die Passat-Identität erheblich weiterentwickelt und ihm eine erwachsene Charakterstärke gegeben, eine neue Aura. Dennoch ist er weiter klar als ein Passat erkennbar. Schauen Sie ihn sich von vorn an: Das ist ein ernsthafter und konzentrierter Blick, der Blick eines Adlers. Da haben wir bei der Gestaltung nichts dem Zufall überlassen. Es gibt keine modischen Spielereien. Wir setzen auf Präzision, Exzellenz und Langfristigkeit.

Was überzeugt Sie persönlich am meisten am Design des neuen Passat? Die skulpturale und muskulöse Formensprache ist der entscheidende Designsprung gegenüber dem eher sachlich-funktionalen Gepräge des Vorgängers. Beim neuen Passat spielt selbstredend die Funktionalität eine große Rolle. Es ist aber die Emotionalität des Passat, die die Menschen berührt und ans Herz fasst. Wir müssen die Menschen auf der emotionalen Ebene ansprechen. Dann zahlen alle funktionellen Stärken eines Fahrzeugs zusätzlich darauf ein. Das Design ist der Schlüssel zum Herzen der Menschen.

entweder? oder?

Fisch oder Fleisch?
Fisch.
Schokoriegel oder Salzstange?
Salzstange, Zucker esse ich nicht mehr.
Bier oder Brause?
Bier.
Hip-Hop oder Heavy Metal?
Jazz.
Spanien oder Schweden?
Schweden.
Tatort oder Tagesschau?
Tagesschau.
Bus oder Bahn?
Auto.
up! oder Touareg?
Touareg, aber ich liebe auch den up!.
Das Interview führten Dirk Schlinkert und Marc Rotermund.

Der neue Passat – Oberklasse im Mittelklasseformat. Den Film finden Sie hier!

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