„Gute Vorbereitung auf den Wechsel ist sinnvoll“: Heinrich-Josef Steinmetz.
Foto: Sprengler


Der Neue auf dem „heißen Stuhl“


Führungswechsel erfolgreich managen / Erfahrung mit der Wissensstafette gezielt weitergeben

Heinrich-Josef Steinmetz hat vor gut einem Jahr eine leitende Funktion im Motorenwerk Salzgitter verlassen, um die Leitung der Qualitätssicherung im Volkswagenwerk Sachsen in Chemnitz zu übernehmen. „Auf mich warteten ein neues Bundesland, ein neues Werk, neue Kollegen und ein Amtsvorgänger, der in den Ruhestand ging“, so Steinmetz im Rückblick. Er wollte seinen Nachfolger und sich selbst so gut wie möglich auf das Neue vorbereiten. Aber wie?
Die Fachleute des Volkswagen Wissensmanagements ww.deck (das Kürzel steht für world wide development of corporate knowledge) boten ihm Hilfe. Ww.deck, angesiedelt bei der Coaching, hat die „Wissensstafette“ entwickelt, ein Werkzeug, das jeden Wechsel von Führungskräften und Experten wirkungsvoll unterstützt.
Und darauf kommt es bei Neueinstieg und Wechsel an: Kurze Einarbeitungszeit, erste Erfolge in den ersten hundert Tagen, Konflikte mit Chefs und Mitarbeitern versachlichen und lösen. Der Weg dahin ist denkbar einfach: Die Weitergabe von Erfahrungswissen an den Nachfolger in gut strukturierten Gesprächen mit dem Vorgänger und dem neuen Chef. Gut acht Wochen nach dem Start findet dann eine ganztägige Arbeitstagung mit allen neuen Mitarbeitern statt.
Nichts bleibt dem Zufall überlassen, alle Teilnehmer werden anhand von Themenkatalogen gründlich auf das Übergabegespräch vorbereitet. Vorgänger und Nachfolger entscheiden unabhängig voneinander vorher, was aus ihrer Sicht wichtig ist und worüber sie miteinander reden wollen. Üblich sei in dieser Situation das Gespräch über Zahlen, Organigramme, über Qualität und Budget, weiß Anne-Rose Haarmann von ww.deck: „Aber sprechen Vorgänger und Nachfolger auch über wichtige Schlüsselpersonen, die sie beispielsweise als Problemlöser nach China senden können? Sprechen sie über den Umgang mit der Sekretärin?“ Der Teufel steckt wie immer im Detail. Wenn der letzte Chef die Tür zum Vorzimmer immer offen hatte und der neue sie lieber schließt, dann fühlt sich die Sekretärin womöglich ausgeschlossen. Es sei denn, es wurde darüber gesprochen.
Steinmetz ist einer der ersten, die von der neuen Methode profitiert haben. Fünf Abende hat er investiert, um zusammen mit den Beratern des Volkswagen Wissensmanagements herauszufiltern, welche Fragen für ihn wichtig sind und wem er sie stellen kann. „Wir haben mit Mindmaps gearbeitet, eine Methode, die ich noch heute anwende, wenn ich mit der Familie den Urlaub plane oder wenn ich ein Gespräch vorbereite“, sagt er. Für jedes Thema entstand ein Baum, jeder Ast entsprach einem Unterthema, einer Fragestellung. Und wenn eine Frage die nächste bereits enthielt, dann wurde so ein Ast aus Papier eben abgesägt. Schnell war Steinmetz klar, was Inhalt des Gespräches mit seinem Vorgänger in Chemnitz sein würde.
Auch das Seminar mit den Mitarbeitern, die Stunde des Neuen auf dem „heißen Stuhl“, ist Teil des Verfahrens und kann zum schnelleren Kennenlernen und zur Bildung einer Vertrauensbasis beitragen. Die Mitarbeiter bombardieren den Neuen anonym mit Fragen wie zum Beispiel: „Wie fördern Sie Ihre Mitarbeiter“ oder „Was akzeptieren Sie nicht?“. Und bei der Lösung der Gruppenaufgabe kann der Neue erkennen, wie sein Team zusammenarbeitet.
Der Erfolg hat es Steinmetz bewiesen: „Gute Vorbereitung auf den Wechsel ist sinnvoll. Auch mein Nachfolger hat davon profitiert – den Wechsel in Salzgitter haben wir genauso organisiert.“ -lys-

 

 
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