Kopfball, Tor und Currywurst
Das Catering in der Volkswagen
Arena / „autogramm“ schaute bei einem Heimspiel
hinter die Kulissen
Samstag, 12.30 Uhr vor dem Soccer
Café der Volkswagen Arena in Wolfsburg. Die ersten
Fußballfans, beladen mit Fahnen, behangen mit Schals
und bester Laune stärken sich für den bevorstehenden
Einsatz. Mit VW-Currywurst und Pommes, Bockwurst mit Brötchen.
Gegen den Durst hilft kühles Bier. Im Café selbst
rollt schon der Ball: Jugendliche Fans spielen sich am Kicker
warm. Thomas Otte hat seine Betriebstemperatur längst
erreicht. Der 42-Jährige, der seit November 2002 als
gastronomischer Leiter der Volkswagen Arena verantwortlich
zeichnet, ist bereits seit vier Stunden im Stadion unterwegs.
Auch heute will er nicht nur kräftig Umsatz machen, sondern
wie bei jedem Heimspiel mit einem Team von etwa 300 Servicekräften
für den reibungslosen Ablauf in den Gastronomiebereichen
der Arena sorgen. Und, so formuliert es Otte, „für
alle Gäste zum erfolgreichen Verlauf des Fußball-Events
beitragen.“ „autogramm“ hat sich dem studierten
Juristen, der lange Zeit selbst aktiv Fußball gespielt
hat, an die Fersen geheftet und schaut hinter die Heimspielkulisse.

VW-Currywurst für die Arena:
Heinrich-Alfred
Kinastowski, Arena-Betriebsleiter Thomas Otte,
Herbert Wydwaldt und Marco Olomi (v.l.).
Auf dem Weg vom Soccer Café in Richtung Business-Bereich
gibt Otte einen kurzen Überblick. Bei zügigem Schrittempo
macht er mir klar, dass die gastronomische Leitung der Arena
in den Händen der ServiceUnit der Volkswagen AG liege,
dass der Bereich Eventsupport der Autovision GmbH die Arbeitskräfte
für die Spieltage und für die Sonderveranstaltungen
in der Arena stelle, und dass die Arena über rund 5110
Quadratmeter Gastronomiefläche verfüge. Dazu gehörten
der Business- und VIP-Bereich für insgesamt 1800 Gäste,
drei Tagungsräume für Feiern und Veranstaltungen,
der Bereich für die Presse und die insgesamt 17 Getränke-
und Speisen-Kioske auf der Promenadenebene. „Das Speisenangebot
ist verglichen mit anderen Bundesliga-Stadien äußerst
vielseitig. An den Kiosken bieten wir von Schokoriegeln, Brezeln
und Popcorn über Erbsensuppe, Pizza und Pommes bis hin
zu Curry- und Bratwurst im Brötchen, Frikadelle und Schnitzel
an. Für den Business- und VIP-Bereich liefert das Volkswagen
Catering Vorspeisen, warme Fleisch- und Fischgerichte sowie
Desserts. Der Menüplan wechselt ständig. Mit den
Gerichten orientieren wir uns zudem auch an der Region, aus
der die gegnerische Mannschaft kommt“, sagt Otte. Sein
Handy klingelt, und das nicht zum ersten Mal. „Eine
Kasse in Kiosk 2 funktioniert nicht richtig – das erledigen
wir gleich beim Rundgang“. Doch zuvor stellt er im Business-Bereich
der Service-Mannschaft des heutigen Tages noch die neue Leiterin
Ines Schittkov vor. Ganz Ohr sind die 50 jungen Damen und
Herren in ihren mit schwarzer Fliege verzierten schneeweißen
Oberhemden denn auch bei der Arbeitseinweisung. „Nur
wenn alle Gäste zufrieden sind, können auch wir
zufrieden sein. Das lässt sich nur mit tadellosem Handwerk
erreichen“, schließt die Service-Leiterin ab.
Noch Fragen?

Roberth Lehrach am Wärmewagen.
Zwei Stunden vor und zwei Stunden nach dem Spiel ist der Service
für die Gäste an den Kiosken und im Business- sowie
VIP-Bereich gewährleistet. Noch ist eine halbe Stunde
Zeit, bis die ersten Fußball-Gäste kommen. Alle
Tische sind längst eingedeckt und mit Firmenschildern
versehen. Eine Treppe höher im VIP-Bereich ein ähnliches
Bild: ein gut gefüllter Weinkühler, gedeckte Tische
mit Menükarte und spiegelblanke Edelstahlflächen
an der zentralen Bar und an den beiden Buffetbereichen, die
nach und nach mit Essen bestückt werden. In den beiden
Küchen laufen die Konvektomaten zum Fertiggaren der von
den Wirtschaftsbetrieben zubereiteten und am Spieltag angelieferten
Speisen auf Hochtouren, werden die Wärmewagen von den
Küchenhilfen um Küchenleiter Benjamin Stern stetig
mit Aufläufen, Fleisch und knackigem Gemüse aufgefüllt.

Die VIP’s können kommen:
Julia Ottow (l.)
und Sabine Liebenehm decken eine der
32 Logen ein.
Und draußen? Drangvolle Enge rund um die Getränkewagen
und den Außentresen vor und im Soccer Café selbst.
Aus allen Richtungen strömen Fans in Richtung Arena.
Auf der Promenadenebene lassen sich die ersten Fußballgäste
Wurst, Bier und Cola schmecken. In jedem Kiosk, so Otte, gebe
es einen Teamleiter. Und je nach Größe seien vier
bis zehn Servicekräfte für Kassen, Zapfanlagen und
Grill eingesetzt, erklärt der Betriebsleiter, während
er Kasse 45 wieder in Schwung bringt. Neun Speise- und acht
Getränkekioske zähle ich bei unserem anschließenden
„Promenaden-Rundgang“. Um beim Ansturm auf die
Kioske gerade zur Halbzeit die Wartezeit so kurz wie möglich
zu gestalten, würden bei jedem Spiel bis zu 13 Zusatz-Getränketresen
auf der Promenaden- und auf der Zwischenebene aufgebaut. Die
Anzahl der Zusatztresen werde ebenso wie die Menge an zu orderndem
Bier, Softgetränken wie Cola oder Wasser und Nahrungsmitteln
an der Zahl der verkauften Eintrittskarten wenige Tage vor
Spieltag festgemacht. „Um bei den Mengen richtig zu
kalkulieren, helfen uns natürlich auch die Erfahrungen
aus den vergangenen Spieltagen“, so Otte.
Bis 15:15 Uhr haben wir uns durch den Fantrubel auf der Promenade
in die Südkurve gedrängelt. „Wie sieht es
aus mit der Verpflegung?“, fragt Otte. Aus Kiosk 17
kommt ein nach oben gereckter Daumen. Um 15:30 Uhr wird das
Spiel angepfiffen, und die Fans tauchen ein in ihre Fußballwelt.
Tor für den VfL – Jubel und Applaus. An den Kiosken
ist ein wenig Ruhe eingekehrt – bis zur Halbzeitpause.
Sechs Mitarbeiter der sogenannten „Task-Force“
sorgen unter Anleitung von Logistikleiter Heinrich Kinastowski
aus vier zentralen Tiefkühllagern für Nachschub.
Kurz nach Abpfiff des Spiels wird auf der Promenade noch schnell
der Mannschaftssieg begossen, dann leert sich das Stadion
allmählich. Während die Zusatztresen abgebaut und
die Kioske gereinigt und auf Hochglanz gebracht werden, wird
im VIP- und Business-Bereich noch bis gegen 20 Uhr kräftig
weitergemacht. Bis 22 Uhr sorgt die Service-Mannschaft dann
dafür, dass nichts mehr vom Spieltag zeugt. Thomas Otte
hat sich währenddessen in seinem Büro per Online-Verbindung
zu den Kassen der Kioske einen Überblick verschafft –
und ist sichtlich zufrieden. Knapp 10000 Brat- und Currywürste
und mehr als 15000 Becher Bier wurden unter anderem verkauft.
Und das Spiel? „Das schaue ich mir in Ruhe zu Hause
an.“ Mit der Familie. Vor dem Fernseher. -fs-
|