Zukunftsweisend: Kältemittel Wasser.


Wasser hält die Räume kühl

Umweltschonende Klimatisierung der Gläsernen Manufaktur mit moderner Kompressionskälteanlage

Dresden – Für die Klimatisierung der Gläsernen Manufaktur Dresden sorgt eine Anlage der besonderen Art: Erstmals wird Wasser als natürliches Kältemittel in zwei Kompressionskälteanlagen eingesetzt. Damit gehört Volkswagen zu den Pionieren bei der Einführung dieser umweltschonenden Technik.

„Der sehr heiße Sommer in diesem Jahr hat gezeigt, dass die neue Technologie zuverlässig, umweltfreundlich und energiesparend funktioniert. Wir hatten keine Ausfälle und trotz der extremen Hitze sogar noch Reserven“, sagt Dr. Bodo Burandt von der ILK-Projektgesellschaft mbH Luft- und Kältetechnik Dresden. In zehnjähriger Forschungsarbeit hat das Unternehmen die Kompressionskälteanlagen entwickelt und kümmert sich jetzt um Wartung und Service.
Die beiden Anlagen mit jeweils einem Megawatt Kälteleistung haben es in sich. Für Technikfreaks hier das Prinzip: Zwölf Grad warmes Kaltwasser fließt in einen Verdampfer. Die Verdampfung erfolgt hier nicht – wie etwa bei einem Wasserkocher – durch Wärmezufuhr, sondern durch Druckabsenkung. Der Druck im Verdampfer wird solange gesenkt, bis das Wasser teilweise verdampft und sich dadurch abkühlt. Das dann sechs Grad kühle Wasser wird aus dem Verdampfer geleitet und der Klimaanlage zugeführt.
Doch was passiert mit dem Wasserdampf? Er soll wieder zu Wasser werden und muss dafür mehrere Stationen in der Anlage passieren. Ein Verdichter der ersten Stufe, der im Verdampfer für die Druckabsenkung sorgt, saugt den Dampf an. Die Rotation des Verdichters bringt den Wasserdampf auf Geschwindigkeit. Folge: Der Druck des Dampfes erhöht sich, seine Temperatur steigt auf rund 120 Grad Celsius.
Ein Vorgang, der die Entwicklung eines besonders leistungsstarken Verdichters erforderte. Denn im Vergleich zu herkömmlichen Kältemitteln wie Ammoniak weist Wasserdampf eine geringere Dichte auf. „Radialturboverdichter eignen sich am besten für die Verdichtung großer Wasserdampfströme mit geringer Dichte bei gleichzeitig hohem Druckverhältnis“, erläutert Burandt.
Der 120 Grad Celsius heiße Wasserdampf gelangt anschließend in einen Zwischenkühler, wo er mit Wasser in Kontakt kommt. Ein Teil des Wassers verdampft. Das wiederum sorgt für eine Abkühlung des Dampfes auf ungefähr 20 Grad Celsius. Im Verdichter der zweiten Stufe herrscht das gleiche Prinzip wie in der ersten: Der Dampf wird beschleunigt, dadurch erhöht sich der Druck. Der Wasserdampf steht jetzt unter Kondensationsdruck. In der nächsten Station – im Kondensator – trifft der Wasserdampf auf Kühlwasser, kondensiert und fließt als Kühlwasser aus der Anlage.
Das Kältemittel Wasser bietet mehrere Vorteile: „Wird die Kaltwassertemperatur angehoben, steigert sich bei gleicher Maschine die Kälteleistung. Das liegt an der starken Änderung der Dichte“, sagt Burandt. Beispiel: Eine Anhebung der Kaltwassertemperatur von sechs auf zehn Grad Celsius bewirkt eine Leistungssteigerung um 14 Prozent bei Ammoniak und um 29 Prozent bei Wasser als Kältemittel.
Die Klimatisierung der Gläsernen Manufaktur Dresden mit dem Kältemittel Wasser ist zukunftsweisend. „Als strategische Leitlinie für die Umsetzung einer weltweit geltenden Umweltpolitik hat Volkswagen elf Umweltstandards für die Produktionsstandorte entwickelt“, erläutert Michael Dillmann von der Abteilung Umweltplanung Produktion/Standorte bei der Volkswagen AG. „Einer dieser Standards soll den weltweiten Einsatz umweltfreundlicher Kältemittel realisieren.“ Alternativen zu den ozonschädlichen Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) sind – außer Wasser – Ammoniak und chlorfreie Fluorkohlenwasserstoffe.
„Die Marke Volkwagen hat FCKW schon weitaus früher und übergreifender ersetzt, als es der Gesetzgeber forderte“, sagt Dillmann. Bis spätestens Juni 1998 sollte die Verwendung des Standardkältemittels R12 verboten werden. Volkswagen reduzierte den gesamten FCKW-Einsatz – einschließlich R12 – bereits 1994 auf unter neun Tonnen. „Vor Ablauf der Frist wurde kein R12 mehr verwendet“, ergänzt Dillmann. „Derzeit werden FCKW nur noch in hermetisch geschlossenen Altanlagen mit einer Füllmenge von weniger als einem Kilo eingesetzt."
Weiteres Beispiel: Seit 1990 wird im Werk Wolfsburg auf FCKW als Schäummittel bei der Herstellung von Innenraumverkleidungen verzichtet. Ebenfalls wurden chlorhaltige Kohlenwasserstoffe als Reinigungsmittel bis 1994 komplett aus der Fertigung entfernt. Seitdem wird in wässrigen Systemen gereinigt, wobei sämtliche Anlagen an einer Aufbereitung und internen Recyclingkreisläufen angeschlossen sind. -gef-

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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