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Basketball-Bundesliga: Braunschweigs Trainer Raoul Korner über Jugend, Jura und Krawatten
„autogramm” trifft Raoul Korner vor der Volkswagen Halle Braunschweig – dort, wo die von ihm trainierten Bundesliga-Basketballer der Phantoms um Punkte kämpfen. Wir sind früher, er ist auch vor der Zeit. „Möchten Sie eine Runde im Golf GTI drehen?” Der 39-jährige Österreicher möchte – und ist begeistert: „Unglaublich, wie dynamisch der ist!” Auch im Interview geht es Schlag auf Schlag. Wir sprechen über Jura, Mannschaftsführung, Risiken und Chancen des Trainerjobs und über Korners größten Tick, das Krawattensammeln.


Begeistert vom GTI: Raoul Korner, seit Sommer Cheftrainer der Phantoms Braunschweig, fuhr den sportlichen Golf zum ersten Mal.
Fotos: Klaus G. Kohn

Ihr Jurastudium haben Sie im Alter von 23 abgeschlossen. Verteidiger oder Ankläger – was wären Sie geworden?
Eher Verteidiger. Ich wollte schon immer Rechtsanwalt werden und bin ein Gerechtigkeitsfanatiker. Außerdem argumentiere und rede ich gern und scheue mich nicht, vor Publikum zu sprechen.

Geht es für Sie irgendwann von der Trainer- auf die Verteidigerbank?

Das kann ich jetzt nicht abschätzen. Ich bin immer noch sehr gern Basketball-Trainer, nachdem sich bereits in jungen Jahren die Chance aufgetan hatte, mein Hobby und meine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Aber ich bin auch froh, das Jurastudium abgeschlossen und anschließend auch eine Maklerausbildung absolviert zu haben. Beides ist mein Fangnetz. Den Job des Trainers vergleiche ich mit dem eines Artisten auf dem Drahtseil: Es kann schnell abwärts gehen. Deshalb bin ich froh, beide Ausbildungen zu haben, aber auch zufrieden, diese zurzeit nicht zu brauchen.

Wie kam es, dass Sie mit 25 Jahren Trainer des Bundesligisten BC Vienna wurden?
Fritz Miklas, ein sehr erfolgreicher Trainer in meiner Heimat, wollte im Management des Klubs arbeiten. Er machte mich trotz vieler Widerstände zu seinem Nachfolger, nachdem ich seit meinem 16. Lebensjahr offenbar keine schlechte Arbeit als Nachwuchstrainer beim BC Vienna geleistet hatte. Die Hälfte der Mannschaft war älter als ich, mit den meisten hatte ich noch zusammen gespielt. Und mit einem Spieler saß ich acht Jahre in der Schule an einem Tisch. Die Frage des Alters hat sich aber nie gestellt.


 

Warum haben Sie sich im Sommer für einen Wechsel nach Braunschweig entschieden?
Als deutschsprachiger Trainer ist die BBL immer ein Ziel, zumal sie eine Top-Liga auf der Überholspur mit viel Perspektive ist. Dass es mit Braunschweig geklappt hat, ist sehr erfreulich. Bisher habe ich den Wechsel nur positiv erlebt.


 

Sie mussten schnell ein neues Team formen. Wodurch zeichnet es sich aus?
Die Stärke der Mannschaft ist der Mix aus jungen Talenten und erfahrenen Spielern. Außerdem stimmt die Chemie und es gibt klar definierte Rollen im Team. Mittlerweile hat das jeder akzeptiert und er respektiert vor allem auch die Rolle seines Mitspielers. Nicht jeder steht im Mittelpunkt, aber jeder ist wichtig und hat sein Scherflein zum Erfolg beigetragen – das ist entscheidend.

Was sind Sie für ein Trainer-Typ?
Ich bin ein analytischer und ehrgeiziger Typ und identifiziere mich voll und ganz mit meiner Aufgabe. Ich hoffe, die Mannschaft merkt, dass sie mein Baby ist.

Wie ist Ihr Führungsstil?
Ich nenne es modern autoritär. Demokratie bringt dich im Spitzensport nicht weiter, aber ich bin sehr kommunikativ und habe immer ein offenes Ohr für meine Spieler. Ich möchte wissen, was in ihnen vorgeht. Wenn ich spüre, dass irgendetwas nicht stimmt, spreche ich das sofort offensiv an.


 

Wie wichtig ist Kommunikation?
Kommunikation spielt die Hauptrolle. Ohne Kommunikation kann ich eine Gruppe nicht führen, zumal der Ursprung jedes Konflikts meist in mangelnder Kommunikation liegt. Deshalb ist es wichtig, viel miteinander zu reden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Spieler für Offenheit sehr empfänglich sind. Sie als meine Mitarbeiter wissen immer, woran sie sind. Ob ihnen das immer gefällt, ist eine andere Sache.

Wie stehen in dieser Saison die Play-off-Chancen Ihres Teams?

Die Play-offs liegen im Bereich des Möglichen. Wir sollten uns aber nicht zu sehr auf dieses Ziel versteifen. Vielmehr muss der Prozess der Weiterentwicklung im Vordergrund stehen. Die Liga wird immer stärker, die Etats der anderen Mannschaften sind größer geworden. Hier in Braunschweig sind wir konstant unterwegs, deshalb müssen wir andere Dinge besser machen als die Konkurrenten. Wir müssen Konstanz in die Nachwuchsausbildung bringen und eine positive Atmosphäre im Team schaffen.

Dennis Schröder, ein 19-jähriger Braunschweiger, sorgt für Furore in der US-Profiliga. Hätten Sie gern mit ihm gearbeitet?
Die Frage hat sich nie gestellt, denn es war klar, dass Dennis nach seiner starken Bundesliga-Saison den nächsten Schritt machen wird und muss. Sein Wechsel von den Phantoms zu den Atlanta Hawks hat eine enorme Strahlkraft auf unsere Talente. Sie haben den amerikanischen Traum direkt vor der Haustür erlebt. Das lässt auch sie träumen.

Stimmt es, dass Sie Krawatten mit Basketball-Motiven sammeln und 50 Stück besitzen?

Ich sammele immer noch, binde die Krawatten aber nicht mehr regelmäßig um. Früher, als Trainer in Österreich, war es mein Ritual, immer eine dieser Krawatten beim Coachen zu tragen und erst nach einer Niederlage eine andere zu nehmen.

Das Interview führten Dirk Schlinkert und Marc Rotermund.

„Entweder … oder ...?”

Fisch oder Fleisch? Beides.
Schokoriegel oder Salzstange? Schokoriegel!
Bier oder Brause? Brause.
Hip-Hop oder Heavy Metal? Heavy Metal.
Spanien oder Schweden? Spanien, ich liebe die Sonne.
Tatort oder Tagesschau? Tagesschau.
Bus oder Bahn? Bus.
up! oder Touareg? Touareg!