Starke Partner, starke
Motoren
Feierliche Eröffnung der Volkswagen
Mechatronic / Interview mit Hendrik Tullney*
Der Automobilstandort Sachsen
boomt: Kürzlich startete die Volkswagen Mechatronic GmbH
& Co. KG in Stollberg die Fertigung von Pumpe-Düse-Elementen
für den Einsatz in Dieselmotoren. Das Unternehmen ist ein
Joint Venture zwischen der Volkswagen AG und der Siemens VDO
Automotive AG. Zur feierlichen Eröffnung waren deshalb
neben Sachsens Ministerpräsident Prof. Dr. Georg Milbradt
und Dr. Bernd Pischetsrieder, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen
AG, auch Dr. Heinrich von Pierer, Vorstandsvorsitzender der
Siemens AG, nach Stollberg gekommen. Herr
Tullney, an der Volkswagen Mechatronic GmbH & Co. KG sind
Siemens und Volkswagen zu je 50 Prozent beteiligt. Was versprechen
Sie sich von der Zusammenarbeit?
Der Joint-Venture-Vertrag zwischen einem Zulieferer und einem
Automobilkonzern ist eher ungewöhnlich, bietet jedoch
für beide Partner Vorteile. Volkswagen sichert sich dadurch
die technische Exklusivität der Piezo-Pumpe-Düse-Technik.
Dabei bietet sich natürlich Siemens VDO als kompetenter
Partner in der Piezo-Einspritztechnik an. Siemens erschließt
sich nun ein neues Geschäftsfeld und ein beträchtliches
Auftragsvolumen. Schließlich werden wesentliche Bestandteile
unseres Produktes bei Siemens VDO selbst gefertigt.
Wie organisieren Sie die „Arbeitsteilung“?
In der Anfangsphase zeichnet Siemens VDO für die Produkt-
und Prozessentwicklung verantwortlich. Das dafür notwendige
Know-how in der Fertigung im Zehntel-Mikrometer-Bereich bringt
Siemens VDO insbesondere aus der Produktion von Piezo-Injektoren
für Common-Rail-Systeme ein. Unter der Regie von Volkswagen
stand der Aufbau der Fabrik und deren Infrastruktur. Außerdem
ließ Volkswagen seine Kompetenzen in der Logistik und
im Qualitätsmanagement einfließen. Die Volkswagen
Mechatronic GmbH & Co. KG übernimmt nun die Umsetzung
des Gesamtvorhabens.
Sie erwähnten bereits die Piezo-Technologie. Wie funktioniert
die?
Basis der Piezo-Technologie ist der rund 2,5 Zentimeter große
Piezostack. Hierbei handelt es sich um ein Keramikelement,
welches sich mit Anlegen einer Spannung durch Änderung
in der kristallinen Struktur ausdehnt. Über ein Hebelsystem
verlängert, wird die Ausdehnung des Keramikelements zum
Steuern der Ventilnadel benutzt. Der entscheidende Vorteil
dieser Technologie gegenüber den herkömmlichen Magnetventilen
sind die etwa vier Mal schnelleren Schaltzeiten.

Wie wirkt sich das im Motor aus?
Wird die Piezo-Technologie mit der Pumpe-Düse-Einspritztechnik
kombiniert, so entsteht ein Novum in der Dieselgemischbildung.
Unsere Piezo-Pumpe-Düse ermöglicht, kombiniert mit
hochentwickelter Motorsteuerelektronik, höchste Einspritzdrücke
und eine flexible Steuerung des Einspritzverlaufs. Durch feinste
Zerstäubung des Dieselkraftstoffs und angepasster Mehrfacheinspritzung
werden Geräusch- und Abgasemission reduziert bei gleichzeitiger
Optimierung von Leistung und Verbrauch.
Wo kommen die Einspritzsysteme zum Einsatz?
Die ersten Motoren mit unserer Piezo-Pumpe-Düse werden
im neuen Passat im nächsten Jahr zum Einsatz kommen.
Unser Ziel ist es jedoch, den gesamten Volkswagen-Konzern
einschließlich der zugehörigen Marken mit unseren
Hochleistungseinspritzelementen zu beliefern.
Worauf kommt es bei der Fertigung an?
Die Fertigungstoleranzen für unser Produkt liegen im
Zehntel-Mikrometer-Bereich. Selbstverständlich wurde
das Gesamtkonzept unserer Produktion darauf abgestimmt. So
ist beispielsweise unsere Fertigungshalle vollklimatisiert
mit zulässigen Temperaturschwankungen von einem Grad
Celsius. Damit werden Werkzeug- und Werkstückveränderungen
aufgrund von Temperaturschwankungen weitestgehend ausgeschlossen.
Außerdem wird in der Fertigung peinlich auf Sauberkeit
geachtet. Unser Fußboden erhielt einen speziellen Belag,
die Späneentsorgung erfolgt zentral über ein Rohrnetz,
und die Montage findet im Reinraum statt. Mehrere Waschvorgänge
sorgen für nahezu rückstandsfreie Bauteile. Entscheidend
für den Erfolg sind neben technischen Anlagen unsere
Mitarbeiter. Nur durch ihre hohe Qualifikation und ihr Engagement
werden unsere Ziele erreicht.
Warum haben Sie sich für den Standort Stollberg entschieden?
Es standen insgesamt 20 Standorte in Deutschland und Polen
zur Auswahl. Entscheidend für die Standortwahl waren
unter anderem die gute Infrastruktur und die Nähe zu
drei VW-Standorten sowie einem Siemens VDO-Werk. Die Zusammenarbeit
mit der Stadt Stollberg gelang von Anfang an hervorragend!
Natürlich spielte auch die Fördermöglichkeit
eine Rolle.
Wie viele Arbeitsplätze werden geschaffen?
Zum Ende dieses Jahres werden wir rund 200 Mitarbeiter haben,
weitere werden folgen.
Welche Erfahrungen bringen Sie persönlich ein?
Ich bringe Erfahrungen aus den Bereichen Fertigung und Qualitätssicherung
in der Motorenfertigung von Volkswagen und Audi ein. Daneben
habe ich von 1996 bis 1998 in Shanghai zwei Motorenwerke geleitet
und eines davon als Projektleiter aufgebaut und in Betrieb
genommen. Die dabei gesammelten Erfahrungen helfen mir bei
meiner jetzigen Aufgabe sehr.
*Hendrik Tullney ist Technischer Geschäftsführer
und Sprecher der Geschäftsführung der Volkswagen
Mechatronic in Stollberg. Die Fragen stellte Dr. Michael Esders. |