1955 – Autokorso auf der Goethestraße: Amtenbrink unterwegs in seinem ersten VW-Käfer.
Foto: Privat


Luftmatratze auf den Vordersitzen


Helmut Amtenbrink blickt zurück / Gute Ideen für den Erfolg des Käfers

Auf seinem Wohnzimmertisch steht ein Käfermodell aus Silberblech. Daneben liegt ein Fotoalbum, das ihm die Kollegen zu seiner Verabschiedung am 8. Dezember 1988 geschenkt haben. Die Erfolgsgeschichte des Käfer und die Bilderbuch-Karriere eines Mannes, der 1946 als Maschinenschlosser bei Volkswagen seine Lehre begann und nach zweiundvierzig erlebnisreichen Jahren – die letzten sechzehn Jahre als Leiter des Werkes Wolfsburg – in den Ruhestand verabschiedet wurde, sind bei Helmut Amtenbrink engstens miteinander verbunden. „autogramm“ sprach mit dem „Vollblut-Automann“, der im August seinen 74. Geburtstag feierte. Nach der Lehre, der anschließenden Prüfertätigkeit im Messraum der Versuchsabteilung und nach einem Studium in den Vereinigten Staaten hat der „Jungingenieur“ Amtenbrink 1955 seinen ersten Käfer gekauft. „Es war das Jahr, in dem das Volkswagenwerk und die Stadt Wolfsburg die Fertigung des millionsten Volkswagen kräftig feierten. Ein Autokorso fuhr durch die Stadt, auch ich war mit meinem Käfer dabei“, sagt Amtenbrink. Im gleichen Jahr, erinnert sich der in Soltau aufgewachsene Müllerssohn, ging es auch mit dem Käfer Richtung Süden in den Urlaub. „Übernachtet haben wir am Grenzübergang nach Österreich. Mit den ausgehakten Lehnen der Vordersitze haben wir die Sitzflächen nach vorn verlängert. Darauf kam eine Luftmatratze, und auf der wurde dann geschlafen.“


Helmut Amtenbrink mit Modellkäfer


Jedes Jahr kaufte er fortan einen neuen Käfer und testete ihn bei den Urlaubsfahrten mit seiner Frau und den drei Kindern über die Alpenpässe auf Herz und Nieren. Amtenbrink: „Die Berge waren und sind nach wie vor meine Leidenschaft. Der Käfer hat uns derart begeistert, dass wir Umwege gefahren sind, um die steilsten Straßen mitzunehmen.“
Die Menschen bei Volkswagen sind voller Tatendrang. Ihre guten Ideen und Anregungen, nicht zuletzt auch die des Versuchsingenieurs und Produktions-Schichtleiters Amtenbrink, begründen den Aufschwung bei Volkswagen und den Erfolg des Käfers. Ständig werden das Auto und seine Fertigung verbessert. Bereits im Dezember 1960 läuft in Wolfsburg der fünfmillionste Volkswagen vom Band. Einen Monat zuvor wurde Amtenbrink Assistent der Konzern-Produktionsleitung. Sein erster Dienstwagen: ein Käfer.
Zeugnis der außergewöhnlichen Qualifikation von Amtenbrink sind weitere Führungspositionen, die Übernahme der Werkleitung in Emden im Jahr 1970 und schließlich, 1972, als mit dem 15007034. hergestellten Käfer der Produktionsrekord des Ford T-Modells eingestellt wird, die Ernennung zum Leiter des Werkes Wolfsburg. Aus erster Hand bekommt er die „Tücken“ eines Neuanlaufs mit, denn 1974 tritt der Golf die Nachfolge des Käfers an. Die fünfte Generation des Bestsellers steht jetzt in den Startlöchern. „Auch der neue Golf wird ein Erfolg, wie alle seine Vorgänger – und wie der Käfer“, sagt Amtenbrink. -fs-

 


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