Käfer-Jäger mit Leidenschaft: Reinhard Sokoll
Foto: Mentiply


Von Sammlern und Gejagten

Die Käfer-Liebhaberei fängt klein an und hat unübersehbar große Folgen / „Als Sammler ist man Junkie“

„Als Sammler ist man Junkie.“ Der das sagt, muss es wissen. Denn er ist nicht nur Arzt, sondern auch noch Eigner einer der größten Sammlungen von Käfer-Modellen. Fabian Houchangnia heißt er, und er arbeitet als Arbeitsmediziner bei Volkswagen in Wolfsburg. Nebenbei mietet er Räumlichkeiten an, um sie mit Käfermodellen zu füllen. Natürlich nicht kreuz und quer. Sondern sorgfältig geordnet nach Epochen und Herstellern.
Angefangen hat es ganz harmlos. Mit ein paar „Autochens“, mitgebracht vom Papa für den kleinen Fabian. Das sollte Folgen haben – unübersehbare Folgen. Heute stehen über 6000 Käfer-Modelle in Houchangnias Sammel-Reich.
Da findet sich zum Beispiel der Volk-Käfer aus der Vorkriegszeit. „Absolut selten“, erfahren wir. Und etwas ganz besonderes, weil Volk nämlich nie vorhatte, den Käfer im Modell zu bauen – sondern im Original. „Mit diesem, mit Original-Werkzeugen hergestellten Modell wollte Volk beweisen, dass er der beste unter den Metall verarbeitenden Betrieben war“, so
Houchangnia. „Und es hat dann auch geklappt. Der KdF-Wagen wurde mittels Volk-Pressen produziert.“
Doch der leidenschaftliche Sammler hortet nicht nur Käfer-Modelle, sondern auch alle mit diesem Vehikel zusammenhängende Memorabilien: Verpackungen, Boxen, Anstecknadeln, KdF-Spardosen aus Blech, Kataloge, Prospekte und vieles mehr. Erwähnenswert ist das Brettspiel „Dein Volkswagen“, bei dem man sich von der Probefahrt beim Händler und dem Unterzeichnen des Kaufvertrags durch die Produktion bis zur Übernahme des Zündschlüssels würfeln muss. Oder das Volkswagenwerk im Blechmodell, mit fahrenden Miniatur-Käfern, Bullis und Karmann-Ghias. Passend zugeordnet leisten sie den zeitgenössischen Käfer-Modellen in ihren Vitrinen Gesellschaft. So entstand eine lebendige Sammlung, fernab jeglicher Sterilität. „Autos mit Patina erzählen Geschichte, die für uns nicht mehr greifbar ist“, sagt der Arzt.
Ortswechsel: Königslutter am Elm. Die Stadt in der Nähe Wolfsburgs ist nicht nur bekannt für ihr Ducksteinbier, sondern hortet darüber hinaus einen Schatz ganz anderer Art.
Auf über 60 Quadratmetern residiert Deutschlands größtes Käfer-Modellauto-Museum. Das Guinness-Buch der Rekorde hat’s bestätigt. Ziemlich genau krabbeln 6300 Miniatur-Käfer durch die Vitrinen. „1983 las ich von jemandem, der den Weltrekord in Sachen Käfer-Modellautos inne hatte und schwor mir: Den kannst du toppen!“ Seitdem ließen Museums-Betreiber Reinhard Sokoll die Käfer-Miniaturen nicht mehr los. Etwa 500 Stück pro Jahr sammelte er weltweit, später dann „nur“ noch 200. „Ich habe vor keiner Ausführung halt gemacht“, sagt Sokoll, und seine Worte werden durch die Sammlung belegt.
In der Ecke stapeln sich Nachbildungen des legendären „Herbie“-Filmkäfers, gegenüber thront ein voluminöser Käfer aus Lego, aus der Hausbar im Käfer-Format ertönt Musik, und nebenan scheinen die Vitrinen vor lauter Käferei zu bersten. Und sonst? Kokosnüsse, Schokolade, Marzipan, Fruchtgelee – wer hier einen herzhaften Biss riskierte, müsste mit einem Herzinfarkt Sokolls rechnen. Denn seine gesammelten Werke bestehen aus 50 unterschiedlichen Materialien. Allerdings, verrät er, dürften viele inzwischen ungenießbar sein.
Auch ein Spiel fällt uns auf. Es heißt „Parkplatz-Panik“, und gewürfelt wird um die besten Plätze. Wir schauen uns um. Nach rechts. Nach links. Auf den Boden. An die Decke. Bald dürfte die Realität das Spiel eingeholt haben. -sim-

INFO:
Das Käfermodell-Museum, Am Lauinger Weg 61/62, 38154 Königslutter am Elm, Tel. 05353/7744, E-Mail:Das@Kaefermodell-Museum.de



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